Dubiose Anklage: Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange nur schmutziger Trick der US-Militärs?

23. August 2010 | by TechFieber.de

 juliuan assange wikileaks «Unsere Anschuldigungen gegen Julian Assange sind natürlich weder vom Pentagon noch von jemand anderem inszeniert worden.» Diese Versicherung einer der Schwedinnen, die die Vergewaltigungsklage gegen den Wikileaks-Gründer ins Rollen gebracht hatte, kam am Sonntag nicht von ungefähr.

Ihre am Vortag blitzschnell in aller Welt verbreitete Anzeige wegen sexueller Gewalt schien allzu gut zur wütenden Ankündigung von US-Verteidigungsminister Robert Gates passen: Man werde die Veröffentlichung Zehntausender geheimer US-Dokumente zum Afghanistan-Krieg durch Wikileaks offensiv untersuchen.

Der bizarre Verlauf des Stockholmer Wochenend-Dramas gab den sofort im Internet kursierenden Verschwörungstheorien reichlich Nahrung. Am Freitagabend stellte die Staatsanwaltschaft nach den Aussagen der Schwedin sowie einer zweiten Frau mit ähnlichen Vorwürfen einen Haftbefehl gegen den Australier aus. Das Boulevard-Blatt «Expressen» berichtete am folgenden Tag, ohne dass Assange Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber Polizei oder Journalisten gehabt hätte.

«Ich hab von dem Haftbefehl gegen mich aus „Expressen“ erfahren», ließ der nach einer Woche Schweden-Besuch abgetauchte Internet-Aktivist später per Mail wissen. Dass der Name eines Beschuldigten in einem so frühen Stadium Medien veröffentlicht wird, ist hier eine fast beispiellose Ausnahme.

Sich aufdrängende Parallelen zum Vergewaltigungs-Vorwurf in Deutschland gegen den TV-Meteorologen Jörg Kachelmann fanden in Stockholm dann ein jähes Ende: Während Kachelmann monatelang in Untersuchungshaft saß, vollzog die Stockholmer Staatsanwaltschaft in weniger als 24 Stunden eine verblüffend schnelle Kehrtwende: Die jetzt zuständige Oberstaatsanwältin Eva Finné könne keinen Verdacht auf Vergewaltigung sehen. Plötzlich war der Haftbefehl wieder aufgehoben, allerdings soll weiter wegen sexueller Nötigung ermittelt werden.

Für die Wikileaks-Mannschaft war nach diesem Ablauf klar, wer in Wirklichkeit dahinter stand. «Wir haben Informationen, dass eine Verleumdungskampagne gegen Wikileaks oder Julian Assange in dieser Woche starten sollte», sagte der isländische Assange-Mitarbeiter Kristinn Hrafnsson schwedischen Journalisten. Der Australier hielt seinen Aufenthaltsort geheim, äußerte sich neben Mails auch über den Kurzmitteilungsdienst Twitter: «Wir sind vor „schmutzigen Tricks“ gewarnt worden. Jetzt erleben wir den ersten.»

So will das die eine der beiden betroffenen Schwedinnen nicht stehen lassen. «Die Verantwortung liegt allein bei einem Mann mit einem schiefen Frauenbild und dem Problem, dass er ein Nein nicht akzeptieren kann,» sagte sie «Aftonbladet».

tf/mei/

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