[Loveparade] Bürger in Duisburg planen mehrere Gedenkstätten für Opfer der Loveparade-Kastrophe

21. August 2010 | by TechFieber.de

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Noch erinnert der Ort an eine Wallfahrtskapelle. Hunderte, vielleicht sogar Tausende Kerzen pflastern den Boden vor und unter dem Eisenbahntunnel, um den herum 21 Menschen bei der Loveparade-Katastrophe von Duisburg vor einem Monat ihr Leben verloren. Dazwischen hat jemand eine Jesusfigur aufgestellt, die mit ausgestreckten Armen auf das Kerzenmeer blickt. Nach wie vor kommen täglich Dutzende Menschen an diesen Ort, um der Opfer des verheerenden Unglücks zu gedenken. Doch bald soll die Straße wieder freigegeben werden für den ganz normalen Alltagsverkehr. Am 4. September will der Bürgerkreis Gedenken daher die Trauergaben in einer Zeremonie einsammeln lassen und in einem Glaskubus verewigen.

«Es wird keine offiziellen Reden geben, wir stellen den Glaskubus an den östlichen Ausgang des Tunnels, stellen für die Bürger Körbe bereit», sagt Karl Janssen, Kulturdezernent der Stadt Duisburg und Sprecher der Initiative. «Mit den Körben können sie die Trauergaben aufsammeln und von 15.00 bis 19.00 Uhr zum Kubus bringen, wo Mitglieder des Bürgerkreises ihn befüllen werden.» Während des Einsammelns werde auch ein Trommler vor Ort sein. «Er soll dem Ganzen eine würdevolle Atmosphäre verleihen», sagt Janssen. «Nicht etwa mit Trommelwirbel, sondern mit einzelnen Taktschlägen.» Taktschläge, wie es sie auch in der Technomusik gibt. «So haben wir eine Nähe zur Loveparade», erläutert der Kulturdezernent.

Nach den derzeitigen Plänen soll der Kubus dann auf einer Grünfläche am östlichen Ausgang des Tunnels aufgestellt werden – in unmittelbarer Nähe des Unglücksortes. Frühere Pläne, das Glasobjekt in den Innenhafen zu stellen, waren auf Ablehnung gestoßen. Viele Menschen hatten kritisiert, dass der Innenhafen keinen Bezug zum Unglück habe.

Seinen Platz am Tunnel wird der Kubus aber nur auf Zeit einnehmen – nämlich nur so lange, bis die Initiative Spendentrauermarsch, die an den Bürgerkreis Gedenken gekoppelt ist, eine Stele auf jener Grünfläche aufstellt. Spätestens zum ersten Jahrestag des Unglücks soll dies der Fall sein. Was dann mit dem Glasobjekt passiert, ist noch unklar.

21 000 Euro hat die Initiative für die Stele bereits gesammelt. Im September soll nun die Ausschreibung für das Objekt beginnen. «Wir wollen, dass Künstler mit Bezug zu Duisburg ihre Ideen einreichen», sagt Arno Eich, Mitglied der Initiative und ehrenamtlicher Geschäftsführer des Steinhofs, ein Kultur- und Bürgerzentrum in Duisburg. Eine Jury solle dann in enger Absprache mit den Angehörigen der Opfer entscheiden, wer letztlich den Zuschlag bekomme.

Die eigentliche, große Gedenkstätte soll die Stele aber nicht werden, sie soll erst noch entwickelt werden. «Deshalb werde ich in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses am 14. September beantragen, dass eine Kommission einberufen wird, die sich um das Thema Gedenkstätte kümmert», sagt Kulturdezernent Janssen. Klar sei aber, dass es eine internationale Ausschreibung geben solle.

Und noch etwas ist sicher: An der Rampe, die zum Loveparade-Gelände führte, will der Bürgerkreis Gedenken eine Gedenktafel anbringen – eine schlichte Bronzetafel mit der Inschrift: «Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade 24. Juli 2010». «Sie wird nachts montiert und am 4. September mit dem Aufgehen der Sonne enthüllt», sagt der Kulturdezernent. Doch trotz aller Gedanken an die Vergangenheit – auch etwas anderes ist Janssen wichtig: Duisburg darf seiner Ansicht nach nicht in ein Phlegma verfallen. Die Stadt müsse auch wieder nach vorne schauen.

tf/war/ddp

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