[Round-up] Google startet Street View noch 2010 in Deutschland – zunächst in 20 Städten

10. August 2010 | by TechFieber.de

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Es musste so kommen: Allem Zoff der letzten Monate zum Trotz wird die Datenkrake Google ihren umstrittenen Mapping-Dienst Street View noch in diesem Jahr in Deutschland starten. Die lückenlose Darstellung von Straßenzügen soll zunächst für die 20 größten deutschen Städte verfügbar sein. Aus dem Norden sind Hamburg, Bremen und Hannover darunter. Einen konkreten Starttermin nannte Google nicht. Zugleich wehrte sich das Unternehmen gegen Kritik an der vierwöchigen Einspruchsfrist.

Anfang nächster Woche will das Internetunternehmen auf einer überarbeiteten Informationsseite unter Google.de/streetview eine zusätzliche Funktion zum Schutz der Privatsphäre bereitstellen. Damit können Mieter und Hauseigentümer vier Wochen lang die Unkenntlichmachung ihrer Häuser anhand von Satellitenaufnahmen bereits vor dem Street-View-Start beantragen.


«Die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen, besteht seit Mai 2009 – per Brief, Mail oder Fax», sagte Unternehmenssprecherin Lena Wagner. Die auf vier Wochen beschränkte Einspruchmöglichkeit im Netz sei nur für diejenigen gedacht, die noch keinen Einspruch erhoben haben und in einer der 20 Städte leben, die ab Ende des Jahres in Street View zu sehen sein werden. Auch nach dieser Frist gebe es die Möglichkeit, eine Hausfassade unkenntlich machen zu lassen. Die Zahl der Einsprüche sei in Relation zur Einwohnerzahl Deutschlands bislang «verschwindend gering».

Virtuell erkunden lassen sich in Deutschland laut Google zunächst Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal. Mit Street View können Nutzer Straßenansichten der Städte mit einem Radius von 360 Grad virtuell erkunden. Street View steht derzeit als Bestandteil von Google Maps bereits in 23 Ländern weltweit zur Verfügung.

Datenschützer und Politik hatten den Straßenansichtsdienst scharf kritisiert. Ende Juni hatte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) den Druck auf Google verstärkt und gefordert, dass der Dienst erst online gehe, wenn alle Gesichter gepixelt und Kfz-Kennzeichen nicht mehr erkennbar sind. Laut Google wird die Unkenntlichmachung von Gesichtern und Nummernschildern automatisch umgesetzt. Google geriet zudem in die Kritik, weil bei den Kamerafahrten für die Aufnahmen auch private Daten aus offenen Internet-Funknetzen gespeichert wurden.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte Google auf, Widersprüchen von Betroffenen breiten Raum einzuräumen. «Das Verfahren muss so gestaltet sein, dass sowohl Internetnutzer als auch Betroffene, die das Internet nicht nutzen, ihr Widerspruchsrecht ausüben können», sagte er. Der Datenschützer verlangt zudem, dass Gesichter und Nummernschilder nicht nur im Internet gepixelt werden, sondern auch in den Rohdaten, die in den USA gespeichert werden.

Schaar und Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar kritisierten, dass Google keine Telefon-Hotline einrichtet. Caspar bemängelte den kurzfristigen Start der Vorab-Widersprüche während der Sommerferien. «Hier verpasst Google die Chance, verloren gegangenes Vertrauen durch eine bürgerfreundliche Umsetzung der mit uns vereinbarten Zusagen zurückzugewinnen», sagte Caspar.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sieht den Start des Dienstes kritisch. «Denn für diejenigen, die ein Haus erwerben möchten, ist das ein angenehmes Hilfsmittel. Für diejenigen, die einen Einbruchdiebstahl planen, aber leider auch.»

tf/wat/ddp

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