[Loveparade] Trauerfeier: Duisburg gedenkt der Loveparade-Opfer – Ministerpräsidentin Kraft mit bewegender Rede

31. Juli 2010 | by TechFieber.de

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Eine Woche nach der tödlichen Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg hat die Stadt der Opfer der Katastrophe gedacht. Angehörige, Einsatzkräfte und zahlreiche Politiker fanden sich am Samstag in der Salvatorkirche zur ökumenischen Trauerfeier ein, unter ihnen Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Im Anschluss an die Trauerpredigten hielt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) eine bewegende Rede. Zahlreiche Trauernde hatten sich vor der Kirche und im Fußballstadion des Zweitligisten MSV Duisburg eingefunden.

Entgegen den Erwartungen blieb der Teilnahme der Bürger an den Trauerveranstaltungen aber vergleichsweise gering. Insgesamt 500 Gäste nahmen an der Trauerfeier in der Kirche teil. 200 ursprünglich für Angehörige reservierte Plätze wurden an Bürger vergeben, weil viele Betroffene nicht kommen konnten oder wollten. Im MSV-Stadion war nur knapp ein Zehntel der Plätze besetzt.

Nach Angaben der Polizei war die Situation bis zum frühen Nachmittag sehr ruhig in der Stadt. Am Nachmittag sollte sich ab 15.00 Uhr vom Hauptbahnhof aus ein Trauermarsch zur Unglücksstelle in Bewegung setzen. Der Unglückstunnel selbst wurde vorsorglich gesperrt.

Vor der Trauerfeier hatten alle Kirchen in Duisburg die Totenglocken geläutet. Ministerpräsidentin Kraft rang bei ihrer Rede in der Salvatorkirche um Fassung. Es sei schwer, angesichts des Todes von 21 jungen Menschen Worte zu finden, sagte sie. Das Leben junger Menschen sei grausam und jäh beendet worden, sie seien aus ihren «Hoffnungen und Träumen, aus ihren Zukunftsplänen, Familien und Freundeskreisen» gerissen worden. «Sie alle hatten ihre ganze Zukunft noch vor sich.» Kraft, deren 17-jähriger Sohn auch auf der Loveparade war, sagte, sie könne nachempfinden, «was Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde durchlitten haben, die stundenlang auf ein Lebenszeichen warten mussten». Allen Betroffenen sei man schuldig, das Geschehene lückenlos aufzuklären: «Wie konnte dies geschehen, wer trägt Schuld, wer ist verantwortlich?»

Zuvor hatten der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, gemeinsam die Trauerfeier zelebriert. Overbeck sagte in seiner Trauerpredigt, das Leid werde lange währen. «Von jetzt auf gleich bricht alles zusammen. Menschen sterben, werden verletzt – an Leib und Seele.» Schneider sagte, hinein in ein Fest überbordender Lebensfreude habe «der Tod uns allen sein schreckliches Angesicht gezeigt».

An der Trauerfeier nahmen neben Wulff und Merkel auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin teil. Aus der nordrhein-westfälischen Regierung wohnten Innenminister Ralf Jäger (SPD) und Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) der Andacht bei. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet.

Seine Teilnahme abgesagt hatte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der in den vergangenen Tagen massiv unter Druck geraten war und durch seine Teilnahme am Gottesdienst nicht provozieren wollte. Sauerland wird vorgeworfen, das Sicherheitskonzept für die Loveparade abgesegnet zu haben, obwohl es Lücken aufgewiesen habe.

Bei der Tragödie auf der Loveparade waren 21 Menschen tödlich verletzt worden.

tf/wer/ddp

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