Schöne neue Medienwelt: Verwertungsketten-Verwirrung – Film wird zum Computer-Spiel, Game wird zum Movie

27. Juli 2010 | by TechFieber.de

Spiel und Film kommen sich immer näher

Das Spiel zum Film, der Film zum Spiel – oder gar ein Film, der auf einem Spiel basiert, das wiederum auf einen Comic zurückgeht? Die Verwertungskette in der Medienbranche wird komplizierter.

Der Prinz kommt – ins Kino und auf die Konsolen. Auf den Leinwänden ist jüngst die Videospiel-Umsetzung «Prince of Persia: Der Sand der Zeit» angelaufen, während – pünktlich zum Start des Films – das Spiel «Prince of Persia: Die vergessene Zeit» zu haben war.

Auf den persischen Prinzen wird der smarte Zauberer folgen: Im Herbst kommt mit «Die Heiligtümer des Todes» das finale Kapitel der «Harry Potter»-Saga in die Kinos. Und Electronic Arts arbeitet an gleich zwei begleitenden Spielen für sämtliche Plattformen vom PC bis zu Handys. «Spiele zum Film zum Buch» ist hier das Motto der Verwertungskette.

Ein «Spiel zum Film zum Comic» ist «Iron Man 2». «Wir erzählen aber unabhängig vom Film eine neue Geschichte», sagte Kyle Brink, der Chefentwickler des Titels von Sega, in New York kurz vor dessen Start Ende April. Auch beim Ende 2009 erschienenen «Avatar» ist die Handlung des Films eine andere als die des Spiels, sagt Kai Schmidt von der Zeitschrift «GamePro». Hier hat weder der Blockbuster die Vorlage für das Spiel abgegeben, noch war es umgekehrt: «Die Filmproduktionsfirma und der Spielehersteller haben quasi zeitgleich daran gearbeitet.»

Der Haken dabei: Spannendere und vielfältigere Wege der Verwertung und Umsetzung bedeuten nicht automatisch mehr Qualität. «Iron Man 2» etwa kommt beim Portal Metacritic.com, das Wertungen von Spieleexperten aus aller Welt bündelt, nicht gut weg: Auf einer 100-Punkte-Skala lagen die Werte je nach Plattform zwischen 40 und maximal 57 Punkten. An ein extremes Beispiel erinnert sich Patrik Schönfeldt vom Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC): an das Spiel zu Bully Herbigs «Schuh des Manitu». «Das hat 30 Euro gekostet, und im Prinzip war es nichts anderes als das ‚Moorhuhn‘-Spiel – also sehr mau.»

Geht es dagegen um erfolgreiche Umsetzungen, fällt den Experten nicht viel ein. Schmidt nennt die Spiele zu den «Riddick»-Filmen von 2004 und 2009 – inhaltlich gelungen und gut verkauft. Als positives Beispiel für den umgekehrten Fall, also für einen Film zum Spiel, gilt auch 15 Jahre nach dem Kinostart noch «Mortal Kombat». «Das war ein ziemlicher Kassenschlager», so Schmidt.

Doch die fruchtbarsten Begegnungen zwischen Spiel und Film gab es in jüngster Vergangenheit auf anderer Ebene: in Form von Spielen, die selbst wie Filme daherkommen. «Die ‚Uncharted‘-Reihe orientiert sich ein bisschen an den ‚Indiana Jones‘-Filmen», sagt Kai Schmidt. Denn da hat man einen charismatischen Helden, der ständig Sprüche klopft, aber auch mal in Gefahr gerät. «Dazu gibt es dramatische Musik wie in Abenteuerfilmen.» Gerade herausgekommen und mit Lob geradezu überschüttet worden ist «Red Dead Redemption» von Rockstar Games. «Das hat die Atmosphäre von Italo-Western», so Schmidt – der bei den Entwicklern den Trend sieht, ihre Spiele «filmähnlich» zu gestalten.

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