Loveparade: Mindestens 115 Beschwerden bei Presserat zu Loveparade-Berichterstattung – Springer-Presse am Pranger

26. Juli 2010 | by TechFieber.de

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Nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg sind beim Deutschen Presserat bis Montagnachmittag bereits rund 115 Beschwerden über die Berichterstattung eingegangen. Diese richteten sich fast ausschließlich gegen das Online-Portal «Bild.de» oder die «Bild»-Zeitung, sagte eine Presseratssprecherin auf ddp-Anfrage in Berlin. Bei den Vorwürfen gehe es vor allem um detaillierte Fotos und die Erkennbarkeit von Opfern.

«Wie alle Medien berichtet auch ‚Bild‘ – aus unserer Sicht angemessen und verhältnismäßig – über die tragischen, schockierenden Ereignisse während der Loveparade», sagte ein Sprecher der Axel Springer AG am Montag auf ddp-Anfrage. Von Beschwerden beim Presserat sei dem Verlag bislang nichts bekannt. «Sollte er uns jedoch im Zuge der Berichterstattung zu einer Stellungnahme auffordern, werden wir dem natürlich nachkommen.»

Die Leser sehen den Angaben zufolge Verstöße gegen Ziffer 11 des Pressekodex. Dieser besagt unter anderem, dass die Presse auf eine «unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid» verzichtet. Betroffen ist auch Ziffer 8 zu Persönlichkeitsrechten.

Die Massenpanik, bei der auf der Loveparade am Samstag 19 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt wurden, hatte auch im Internet hitzige Diskussionen über die Grenzen der journalistischen Berichterstattung ausgelöst. Hauptziel der Kritik bei Twitter war die «Bild»-Zeitung. Sie hatte am Samstag auf ihrer Internetseite Fotos von nur notdürftig mit Tüchern zugedeckten Leichen veröffentlicht – eines davon mit der Bildunterschrift «Ein Foto, das Gänsehaut vermittelt – zwei Tote am Haupteingang». Zahlreiche Mikroblogger riefen zum Boykott der Zeitung auf und veröffentlichten den Link zum Beschwerdeformular des Presserats.

Der Presserat, die freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien, wurde 1956 gegründet. Seine Hauptaufgaben sind «die Lobbyarbeit für die Pressefreiheit in Deutschland» und das Bearbeiten von Beschwerden aus der Leserschaft. Zum Jahresbeginn 2009 war die Zuständigkeit des Rates bei Beschwerden auf den Onlinebereich ausgeweitet worden. Die nächste Beschwerdeausschuss-Sitzung findet im September statt.

tf/war/dts

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