[Loveparade-Katastrophe] Feature: Bei Massenevents müssen viele Behörden zusammenspielen

26. Juli 2010 | by TechFieber.de

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Massenveranstaltungen mit Hunderttausenden Teilnehmern verlangen schon monatelang im Vorfeld das Zusammenspiel verschiedener Behörden. Das entsprechende Genehmigungs-Prozedere ist in Deutschland von Bundesland zu Bundesland, von Kommune zu Kommune unterschiedlich, wie der Leiter der Rechtsabteilung bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sascha Braun, am Montag in Berlin der Nachrichtenagentur ddp sagte. «Im Rahmen der Genehmigungsverfahren für eine Veranstaltung wie der Loveparade oder der bundesweit größten Fanmeile in Berlin werden dabei in das Sicherheitskonzept auch die Bedenken beteiligter Behörden mit eingearbeitet, die bei den Vorbereitungen abgestellt werden müssen», erläuterte der Jurist.

Massive Zweifel an dem Veranstaltungskonzept in Duisburg wurden schon lange vor dem Techno-Spektakel laut. So hatten Polizei und Feuerwehr wiederholt auf Sicherheitsbedenken hingewiesen, die nach Medienberichten offenbar auch bei der Organisationsleitung vorgetragen wurden.

An einem Genehmigungsverfahren beteiligt sind Braun zufolge zum Beispiel die Bauaufsicht der Stadt, die entscheidet, auf welchen Wegen die Besucher auf das Veranstaltungsgelände gelangen, welche Fluchtmöglichkeiten bei möglichen Zwischenfällen zur Verfügung stehen, wie die An- und Abfahrtkorridore für Rettungskräfte sind. Zugleich müssten die Räumlichkeiten, ob überdacht oder unter freiem Himmel, entsprechend der erwarteten Besucherzahl betrachtet werden.

Eine wichtige Rolle in dem Verfahren spiele auch die Straßenverkehrsbehörde der jeweiligen Kommune, sagte der GdP-Rechtsexperte. Unter anderem gehe es um die Frage, ob die Straßen und Plätze für die angemeldeten Teilnehmer eines Events ausgelegt sind. Dazu gehöre auch, ob es mögliche Gefahrenpunkte geben könne wie Tunnel. Zudem müsse das Zusammenwirken mit Polizei, Feuerwehr, Rettungskräften wie dem DRK besprochen und abgestimmt werden.

Der Veranstalter einer privaten Großveranstaltung, wie sie die Loveparade mittlerweile ist, hat dem Rechtsexperten zufolge auch für die privaten Sicherheitskräfte und deren Kontrollen unmittelbar vor dem Veranstaltungsort zu sorgen. Dabei könne der Veranstalter auch die Auflage erhalten, die von ihm genannte Zahl der Kontrollkräfte angesichts der erwarteten Besucher zu erhöhen.

Die Gewerkschaft der Polizei fordere schon seit Jahren Mindestqualitätsstandards für private Sicherheitsfirmen. Braun sagte, diese Einsatzkräfte müssten geschult sein, damit sie mit sich anbahnenden Paniksituationen umgehen könnten und auch mit den Polizisten vor Ort zusammenarbeiten. Nach den Worten des GdP-Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen, Frank Richter, reicht es nicht, jemandem nur eine Binde umzulegen und zu sagen: «Du bist jetzt Ordner». Für die Sicherheit auf dem Gelände seien der Veranstalter und die Genehmigungsbehörde, nicht die Polizei zuständig.

Zum Sicherheitskonzept gehören vielerorts bei Veranstaltungen auch Absperrgitter oder -zäune. Dabei geht es darum, kontrolliert die Besucher auf das Eventgelände zu lassen. Beispielsweise werden diese Vorkehrungen getroffen, damit Bahnstrecken nicht betreten werden oder Kontrollen auf Drogen oder Feuerwerkskörper und Waffen möglich sind, wie Braun erklärte.

Bei der Katastrophe waren am Samstag 19 Menschen ums Leben gekommen und 342 verletzt worden.

tf/rea/ddp

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