[Loveparade] Feature: Trauer in Duisburg nach Loveparade-Katastrophe – Kritik an Veranstaltern wird immer lauter

26. Juli 2010 | by TechFieber.de

loveparade duisburg  katstrophe
Zwei Tage nach der Katastrophe mit 19 Toten bei der Loveparade in Duisburg sitzen der Schock und die Trauer in Duisburg noch tief. Am Unglücksort – dem Tunnel zum alten Güterbahnhof – versammeln sich am Montagvormittag trotz Dauerregens immer wieder Menschen, stellen Teelichter ab oder legen Blumen nieder. Viele kommen direkt an den Aufgang zu dem Veranstaltungsgelände, wo sich am Samstag das tragische Ereignis zugetragen hatte. Am Nachmittag zieht die Zahl der Besucher dann deutlich an – viele Familien kommen mit Kindern und stehen mit versteinerter Miene am Unglücksort.

Auch an den beiden Eingängen zu dem über Hundert Meter langen Tunnel liegen Trauerbekundungen. Einige Trauernde hinterlassen geschriebene Botschaften. «Julia, das ist für deinen Schutzengel» oder «Danke, danke an die Raver, die hier die Ruhe bewahrt haben», steht dort. Aber auch Wut wird laut: «Gegen geldgeile Politiker. Fuck off!», fordert ein Zettel. Die Hauptkritik richtet sich gegen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU): Auf Plakaten wird sein Rücktritt gefordert. Auch ein großes Kreuz mit einem Gedenkstein – beides komplett aus Eis gefertigt – steht im Tunnel.

Die Duisburgerin Evi Aslanidou kommt an den Unglücksort und stellt dort Kerzen ab und legt einen Blumenstrauß nieder. Sie war am Samstag mit drei Freunden, die aus Nürnberg gekommen waren, auf der Loveparade. «Schon beim Einlass zur Loveparade gab es Probleme», erzählt sie. Statt getrennter Ein- und Ausgänge sei alles durch den Tunnel geströmt. Angesicht der Menschenmassen habe sie Angst bekommen. Als es dann zu der Massenpanik mit den Toten kam, hätten sie und ihre Freunde nur noch das Gelände verlassen wollen. Über einen Abhang gelangten sie dann schließlich vom Gelände herunter. Nun ist Aslanidou froh, dass sie ohne Verletzungen davon kam. «Wenn ich hingefallen wäre, wär ich nicht mehr hochkommen.»

Auch Enrico Pesch überstand die Loveparade ohne Verletzungen. Nun besucht er mit seinem Bruder erneut den Unglücksort. «Wir hatten schon im Vorfeld ein mulmiges Gefühl wegen des Veranstaltungsortes», sagt er. Pesch hat bereits zehn Loveparades besucht – darunter auch die Veranstaltungen in Essen und Dortmund. Als Duisburger war er deshalb auch am Samstag mit seinem Bruder und einem Freund auf der Techno-Party.

Beim Zugang zu der Loveparade und auf dem Gelände sei es «voll ohne Ende» gewesen. Als es zu der Massenpanik kam, hätten die Menschen versucht, über eine Treppe sich nach oben zu retten und seien abgestürzt. Andere kletterten über Bauwagen oder Lichtmasten. Polizei und Sanitäter seien mit der Situation hoffnungslos überfordert gewesen. «Die hatten zitternde Knie, einigen standen auch die Tränen in den Augen», berichtet Pesch. Dass für die Veranstaltung, zu der mehrere Hunderttausend Menschen erwartet wurden, ein offenbar zu kleiner Platz bereitgestellt wurde, sei eine «Sauerei», sagt der 33-Jährige.

Auch Anwohner Thomas Hoffmann kann über die Planungen für die Loveparade nur den Kopf schütteln. «Schon im Vorfeld war absehbar, dass eine Veranstaltung an diesem Ort nicht gut gehen kann», sagt er. Hoffmann wohnt nur rund 50 Meter von dem Tunnel entfernt. Er ist enttäuscht und wütend, dass die Stadt und die Veranstalter nur auf die erwarteten Einnahmen geschaut und nicht an die Sicherheit der Besucher gedacht haben. «Ich schäme mich für die Menschen, die aus Profitgier dieses Event durchziehen wollten», meint er. Statt des Geländes am Güterbahnhof hätten die Veranstalter lieber die angrenzende Autobahn 59 für die Feier nutzen sollen. Schließlich wurde erst eine Woche zuvor die A 40 zwischen Duisburg und Dortmund für das «Still-Leben Ruhrschnellweg» gesperrt. Was dort funktioniert habe, hätte man auch bei der Loveparade machen können.

tf/jas/ddp

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