[Interview] Wikileaks: „Wir brauchen die klassischen Medien“

26. Juli 2010 | by TechFieber.de

Wikileaks interview afghanistan

Die Enthüllungs-Plattform Wikileaks ist nach eigener Einschätzung auf die Zusammenarbeit mit den klassischen Medien angewiesen. «Die meisten Bürger, die unser Portal besuchen, können mit der Rohinformation nichts anfangen», sagte Sprecher Daniel Schmitt (Foto oben) der Deutschen Presse-Agentur.

Gerade bei komplexen Themen sei es schwierig, den Kontext zu verstehen. «Wir brauchen jemanden, der den Zugang zum Material aufmacht ­ und das sind die klassischen Medien», sagte der Sprecher, der in der Öffentlichkeit nur unter Pseudonym auftritt.

Das Internet-Portal hatte am Wochenende mit der Veröffentlichung geheimer US-Militärakten Schlagzeilen gemacht. Dabei arbeitete die Organisation mit dem deutschen Magazin «Spiegel» sowie den Zeitungen «New York Times» und «Guardian» zusammengearbeitet. Diese hatten groß berichtet. Auf der Plattform können Informanten anonym brisante Dokumente veröffentlichen können. Die Betreiber versprechen, alle Informationen vorab auf Echtheit zu überprüfen. Sie bezeichen das Portal wegen seiner technischen Konstruktion als «unzensierbar».

wikileaks homepage afghanistan
Schmitt betonte, dass es Wikileaks bei der Kooperation mit Medien nicht darum gehe, die Dokumente von den Journalisten überprüfen zu lassen – das mache man selbst. «Von unserer Seite war rund ein Dutzend Leute in irgendeiner Art und Weise involviert.» Die Arbeit habe sich über mehrere Wochen hingezogen.

Der Sprecher hofft, dass die spektakuläre Veröffentlichung der Organisation weitere Spenden einbringt. «Das Spendenvolumen ist immer dann hoch, wenn Menschen bewusst verstehen, dass das, wir machen, wichtig ist.» Von den Medienpartnern habe man kein Geld erhalten. Die Organisation hinter der Plattform ist nicht-kommerziell und finanziert sich ausschließlich über Zuwendungen von Privatpersonen.

Juristische Konsequenzen fürchtet Schmitt nicht – im Gegenteil: «Wir hatten in der Vergangenheit oft juristische Drohungen, wir rechnen bei jeder Publikation damit. Als investigatives Medium ist das quasi ein Qualitätsmerkmal für die Arbeit, die man leistet ­ ob man so sehr den Nerv trifft, dass es jemand andres dazu bewegt zu reagieren.»

tf/mei/ Gespräch: Christof Kerkmann / Foto: dpa

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