[Round-up] Loveparade-Katastrophe: Fragen nach Schuldigen für Massenpanik in Duisburg werden immer lauter

25. Juli 2010 | by TechFieber.de

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Nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg mit 19 Toten und 342 Verletzten hat die Suche nach den Schuldigen an der Tragödie begonnen. Augenzeugen äußerten heftige Kritik am Sicherheitskonzept, das indes von der Duisburger Stadtverwaltung verteidigt wurde. Die Veranstaltung selbst ging am Samstagabend ohne weitere größere Zwischenfälle zu Ende.

Das Unglück hatte sich in einem rund 300 Meter langen Tunnel ereignet, in dessen Mitte sich ein gepflasterter Aufgang zum Festivalgelände, dem alten Duisburger Güterbahnhof, befindet. Augenzeugen berichteten, dass an dieser Stelle dichtes Gedränge und Geschubse geherrscht habe. Nach Polizeiangaben wollten einige Menschen eine Mauer und Treppe hinaufklettern. Als sie abstürzten, brach laut Polizei Panik aus. Augenzeugen sagten indes, dass niemand abgestürzt sei. Der Tunnel sei vielmehr so voll gewesen, dass Menschen regelrecht zu Tode getrampelt worden seien.

Ein Polizeisprecher wollte sich auf Anfrage zu den Augenzeugenberichten nicht äußern und verwies auf eine für Sonntagmittag angesetzte Pressekonferenz. Teilnehmer hatten auch berichtet, dass Sicherheitskräfte Loveparade-Teilnehmer wieder in die Menschenmassen zurückschickten, die eigentlich von dort wegwollten. Polizisten sollen tatenlos zugesehen haben, wie sich die Massen in dem Tunnel drängten. Außerdem soll die Polizei von einigen Teilnehmern per Handy über die bedrohliche Lage informiert worden sein. Sanitätskräfte mussten den Augenzeugenberichten zufolge ihre Arbeit unter Polizeischutz machen, weil sie bedrängt wurden.

Noch am Samstagabend hatte der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) das Sicherheitskonzept für die Loveparade gegen Kritik verteidigt. Aus seiner Sicht ist die Ursache für die Tragödie nicht in einem mangelhaften Sicherheitskonzept zu suchen, sondern höchstwahrscheinlich auf «individuelle Schwächen» zurückzuführen.

Insgesamt waren rund 5000 Polizisten und Rettungskräfte im Einsatz. Nach ersten Schätzungen waren rund 1,4 Millionen Besucher bei der Loveparade. Das eigentliche Festivalgelände soll angeblich für maximal 250 000 Menschen ausgerichtet sein.

Ein Stadtsprecher wies den Vorwurf zurück, das Gelände sei für die Veranstaltung zu klein gewesen. Es sei ausreichend Platz für die Besucher gewesen, betonte er. Neben dem Haupteingang sei noch ein Nebeneingang geöffnet worden, als der Andrang zu groß wurde.

Rettungskräfte versuchten am Samstagabend, sich durch die Menschenmassen zu kämpfen. Polizei- und Rettungswagen rückten auf der benachbarten Schnellstraße zum Großeinsatz an. Sanitätshubschrauber landeten auf der gesperrten Autobahn 59.

Laut Stadtverwaltung hatte sich der Krisenstab entschlossen, die Loveparade nicht abzubrechen, um eine noch größere Panik zu vermeiden. Es wurden jedoch keine Besucher mehr auf das Areal gelassen und die Notausgänge des Geländes geöffnet. 150 Busse wurden geordert, die die Besucher nach Hause bringen sollten. Die Polizei richtete eine Notrufnummer unter 0203-94000 begin_of_the_skype_highlighting              0203-94000      end_of_the_skype_highlighting begin_of_the_skype_highlighting 0203-94000 end_of_the_skype_highlighting ein.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte, sie habe mit einigen Augenzeugen gesprochen. Es müsse genau untersucht werden, wie es zu dem Unglück kam. Das werde sicher einige Stunden oder Tage dauern.

Der Vorsitzende der Ruhr.2010-Geschäftsführung, Fritz Pleitgen, zeigte sich tief betroffen angesichts des Unglücks. Er fühle sich im moralischen Sinne mitverantwortlich für die Tragödie. Die diesjährige Loveparade sei ein Projekt im Kulturhauptstadt-Jahr gewesen. Auch wenn die Ruhr.2010 GmbH weder finanziell noch organisatorisch an der Loveparade beteiligt war, mache ihm die Katastrophe schwer zu schaffen. Eine Absage der anstehenden weiteren Veranstaltungen im Kulturhauptstadtjahr werde es nicht geben, sagte Pleitgen. Allerdings werde die Erinnerung an die Loveparade-Katastrophe bleiben.

tf/mei/

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