Klima-Chaos bei der Bahn und kein Ende: „Saunazüge“ machen Bahn-Chef Grube zu schaffen – Grund der Pannen noch unklar

22. Juli 2010 | by TechFieber.de

BahnAngesichts des massenhaften Ausfalls von Klimaanlagen in Zügen der Deutschen Bahn hält der Druck auf den Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube an. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen stellte gegen Grube Strafanzeige. Es gehe um den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur ddp am Donnerstag in Berlin. Das ZDF wehrte sich indes gegen Aussagen Grubes, wonach ein Bericht über extrem hohe Temperaturen in einem ICE nicht der Wahrheit entspreche. Mitglieder des Bundestags-Verkehrsausschusses äußerten sich nach einer Anhörung Grubes unzufrieden.

Die Berliner Staatsanwaltschaft soll nun klären, ob die Bahn schon länger von den Problemen mit den Klimaanlagen wusste und ob sie dann ihre Kunden darüber hätte informieren müssen, wie der Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen erläuterte. Die Kunden hätten ein Recht auf frühzeitige Information bei so gravierenden Problemen wie dem Ausfall einer Klimaanlage. Wenn die Klimaanlage der Züge auf nicht mehr als 32 Grad ausgelegt sei, müsse man Kunden bei höheren Außentemperaturen informieren.

Das ZDF wehrte sich gegen Aussagen Grubes, wonach ein Bericht des Magazins «Frontal 21!» nicht der Wahrheit entspreche. In dem Magazin war am Dienstag berichtet worden, dass in einem ICE mit defekter Klimaanlage Temperaturen von über 70 Grad entstanden waren. «Frontal 21» veröffentlichte daraufhin die dem Magazin vorliegende interne Störfallanalyse der Bahn. In dem Dokument heißt es: «Klimaanlage im ICE 846 (…) ausgefallen, Reisende hatten wegen zu großer Hitze von über 70 Grad Celsius in Wagen 27 Scheibe eingeschlagen. Weiterfahrt mit Reisenden nicht möglich.»

Ein Spitzentreffen zum Ausfall der Klimaanlagen in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages blieb indes ohne konkrete Ergebnisse. Der Vorsitzende des Gremiums, Winfried Hermann (Grüne), kritisierte, viele Probleme blieben ungeklärt. Fragen der Ausschussmitglieder seien nur ausweichend oder gar nicht beantwortet worden.

Der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring forderte «vollständige Transparenz, klare Fakten dazu, wie sich der Wartungsaufwand der Bahn bei den Klimaanlagen in den vergangenen Jahren entwickelt hat». Linken-Verkehrsexpertin Sabine Leidig sagte, Grube habe keine substanziellen Lösungsvorschläge für das Problem der «Sauna-ICEs» geliefert.

Auch Vertreter des Fahrgastverbandes Pro Bahn zeigten sich enttäuscht von dem Spitzentreffen. «Man wüsste gerne: Was wurde hier gespart, wie viel wurde gespart und wo ist das Geld eigentlich hingekommen», sagte Pro-Bahn-Sprecher Carl-Friedrich Waßmuth.

Grube betonte hingegen, sein Konzern unternehme alles, um die Probleme mit den Klimaanlagen in den Griff zu bekommen. In den vergangenen sechs Tagen habe es, bis auf zwei Ausnahmen, auch keine Ausfälle mehr gegeben. Künftige ICE-Generationen sollten nun auf «spanisches Niveau» und damit für Außentemperaturen von bis zu 45 Grad ausgelegt werden. Bei den aktuellen Fernzügen liegt die Temperaturgrenze zwischen 32 und 35 Grad.

Zudem kündigte Grube an, dass die 44 ICE2-Züge für mehr als 100 Millionen Euro generalüberholt werden sollen. Hitzeopfer sollten zudem kulanter entschädigt werden. Wer aufgrund der hohen Temperaturen in den Zügen gesundheitliche Probleme bekommen habe, solle auch ohne ärztliches Attest mit 500 Euro entschädigt werden.

tf/mei/

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