[Feature] „Breitband-Penetration von 0 Prozent“: Hilferufe aus der Internet-Diaspora in Deutschland

11. Juni 2010 | by TechFieber.de

breitband  internet auf dem land deutschland

Die Gemeinde Bühren in Nordrhein-Westfalen liegt unweit des Biggesee im südlichen Sauerland. Von hier sind es nur wenige Kilometer bis zur Autobahn A 45. Doch wer aus dem 70- Seelen-Dorf statt auf die Sauerlandlinie auf die schnelle Datenautobahn einbiegen möchte, der landet zielsicher im Stau.

«Die Breitbandpenetration in Bühren beträgt 0 Prozent», schimpft Christoph Lütticke von der Stadt Drolshagen, zu der die Gemeinde gehört. In der Nachbarkommune Herpel sieht es nicht viel besser aus. Viele Anrufe, viele Gespräche von Telekom bis Unitymedia waren bislang vergebens: Die Bührener holten sich stets einen Korb – der Anschluss ans schnelle Internet sei technisch zu aufwendig und nicht rentabel.

Doch jetzt keimt Hoffnung: «Wir werden sie mit offenen Armen empfangen», sagt Lütticke – und meint jene Unternehmen, die bei der Mobilfunkauktion der Bundesnetzagentur vor wenigen Wochen neue Funkfrequenzen ersteigert hatten. Tatsächlich könnten die jahrelangen Hilferufe aus der Internet-Diaspora bald erhört werden. Die letzten weißen Flecken bei der Breitbandversorgung der Bevölkerung sollen endgültig ausgemerzt werden. Die oberste Aufsichtsbehörde über den deutschen Telekommarkt hat die Mobilfunker nämlich verpflichtet, mit Teilen der neuen Funkfrequenzen das schnelle Internet bis in die letzten Winkel der Republik zu bringen.

Bühren ist nur ein Beispiel für zahlreiche Kommunen in Deutschland, die beim schnellen Internet in der Warteschleife hängen. Das Örtchen Mayschoß in Rheinland-Pfalz beispielsweise gehört ebenso dazu wie Börnichen im Erzgebirge, Kirchberg in Bayern oder Dorfchemnitz in Sachsen. «Wir lassen nicht locker», sagt Martin Eisele, Bürgermeister der Gemeinde Aichelberg in Baden-Württemberg. In all diesen Dörfern und Kreisen ist ein Internetanschluss nur in Teilen möglich.
breitband atlas internet auf-dem land
Und dieser ermöglicht Surfen im Netz oft auch nur im Schneckentempo – zum Leidwesen von Verbrauchern, Unternehmen und Kommunalpolitikern. Rund 500 bis 600 Gemeinden in Deutschland sind derzeit mehr oder weniger betroffen.

«Es geht vor allem um die vielen kleine Betriebe, um Architektur- oder Konstruktionsbüros, die täglich große Datenmengen verschieben müssen», sagt Lütticke. Die verstopften Zuwege zum Internet werden dabei zum Bremsklotz für Industrieansiedlungen und eine florierende Wirtschaft auf dem Lande.

Nach den zuletzt verfügbaren Daten aus dem Breitbandatlas der Bundesregierung hatten bis Mitte 2009 rund 1,3 Millionen Haushalte oder 3,5 Prozent keinen schnellen Internetanschluss. Jetzt kommt es darauf an, welches Tempo die Mobilfunkunternehmen vorlegen und die neue Funktechnik aufbauen. Alle sprechen von einem zügigen Aufbau, aber keiner will einen konkreten Zeitpunkt nennen.

Die Planungen laufen auf Hochtouren, aber weder Eisele in Aichelberg noch Lütticke in Drolshagen haben Signale erhalten. Für die Internetfans in Ruppichterroth und Hänscheid im Bergischen Land dagegen hat Vodafone eine gute Nachricht: «Diese Standorte werden wir schnellstmöglich an das schnelle Internet anschließen».

Breitbandatlas: http://dpaq.de/7UK8x

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Comment (1)

  1. Ganz klar kleiner mittelständische Unternehmen sind auf eine adäquate Breitbandversorgung angewiesen.
    Um eine zeitnahe Datenverarbetiung zu gewährleisten, gehen viele Firmen dazu über, sich leistungsfähige SDSL Anschlüsse zuzulegen. Schade nur, wenn man beim SDSL Check feststellt, dass ein Anschluss nicht möglich ist. Man sollte sich einmal die Entwicklung in Finnland anschauen. Dort hat die Breitbandversorgung oberste Priorität.

    LG
    Edith

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