[Medien] News-Offensive bei RTL & Co.: Landesmedienanstalten fordern mehr Nachrichten im Privatfernsehen

19. Mai 2010 | by TechFieber.de

Privat tv sender RTLDie Medienwächter in Deutschland wollen den Abbau des Nachrichtenangebots bei den Privatsendern nicht länger hinnehmen. Informationen und Hintergrundberichte dürften nicht weiter zur Disposition stehen, sagte der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Thomas Langheinrich, am Dienstag in Berlin. Während des gesamte Nachrichtenvolumen von RTL konstant bei rund 60 Minuten täglich liegt, sei es bei Sat.1 seit 2007 kontinuierlich abgesunken – auf mittlerweile auf rund 30 Minuten pro Tag.

Die DLM will bis Jahresende mit den beiden großen privaten Sendergruppen Mindestanforderungen an das Nachrichtenangebot verbindlich vereinbaren. Dafür sollen die Sender Anreize bekommen, etwa bei der Platzierung ihrer Kanäle in den elektronischen Programmzeitschriften (EPG).

Auch die politische Berichterstattung wird von den Privaten immer mehr an den Rand gedrängt. Auf gerade 17 Minuten täglich kommt RTL, bei Sat.1 sind es elf Minuten. Das sei in der Regel weniger als ein Drittel der Nachrichtenzeit. Das gemeinsame Nachrichtenvolumen von Sat.1., Pro Sieben und Kabel eins liegt unter einer Stunde pro Tag. RTL, RTL II und Vox kommen zusammen auf 1 Stunde und 45 Minuten. Das geht aus dem aktuellen Programmbericht der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten hervor.

Zum Vergleich: Das ARD-Gemeinschaftsprogramm hat im Durchschnitt ein tägliches Nachrichtenvolumen von zwei Stunden und 20 Minuten, beim ZDF sind es drei Minuten mehr.

Allerdings wollen die Medienanstalten für die auf Werbeeinnahmen angewiesenen Privaten nicht die gleichen Maßstäbe anlegen wie beim gebührenfinanzierten Fernsehen. In Zukunft sollen die Anforderungen an die Vollprogramme an die Reichweite gekoppelt werden. Von Programmen mit großer Reichweite könne man grundsätzlich mehr verlangen als von solchen mit geringer Reichweite, sagte der Direktor der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen, Norbert Schneider.

Der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media AG, Thomas Ebeling, hatte einen Abbau des Nachrichtenangebots für seine Sendergruppe bestritten. Allerdings seien Nachrichten ein Zuschussgeschäft.

Kritisch äußerte sich Schneider über die beschränkten rechtlichen Möglichkeiten, die die Politik den Medienwächter gebe. „Wenn sich ProSiebenSat.1 nicht bewegt, dann werden wir an dieser Stelle die Bücher schließen müssen.“ Bis dahin wolle man aber mit den Sendern nach einer gemeinsamen Lösung suchen.

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