[Feature] Cyber-Crime: Spezialfahnder des LKA fahnden nach Betrügern im Internet

19. Mai 2010 | by TechFieber.de

Betrüger tummeln sich auch gerne im Internet. In Bundesland Rheinland-Pfalz etwa wurden 2009 nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) mehr als 10 500 Betrugsfälle im Netz gezählt.

Schon vor vier Jahren gründeten die Mainzer Polizeikommissare Daniel Werner und Malte Hambrock gemeinsam mit dem System- und Anwenderbetreuer André Linz die Projektgruppe «WorldWideWarenbetrug». Sie ist in Rheinland-Pfalz in dieser Form bislang einmalig.

Rund 1000 Fälle hat das Fahnderteam bereits bearbeitet – und die meisten auch gelöst. «Meist sind es recht junge Leute im Alter von 15 bis 40 Jahren, die finanziell oft nicht gut situiert sind», stellt Werner fest. Viele Fälle werden auch an andere Polizeidienststellen abgegeben, wenn der Täter nicht im Zuständigkeitsbereich wohnt. Die Betrugsspezialisten schulen zudem Polizeikollegen im Umgang mit der dynamischen Internetkriminalität: Immer wieder tauchen neue Betrugsmaschen im weltweiten Datennetz auf.

«Wir verfolgen die Täter strafrechtlich, nachdem ihr Betrug zur Anzeige gebracht wurde», erklärt der 31-jährige Werner. Der Klassiker sei immer noch der betrogene Käufer im Online-Auktionshaus, der eine Ware bestellt und bezahlt, diese aber nie erhält. 2009 wurden mit Warenbetrug in Rheinland-Pfalz fast 6000 Straftaten im Netz begangen. Ein Jahr zuvor waren es aufgrund größerer Sammelverfahren noch fast 17 000 Fälle gewesen.

Leicht steigend sei die Zahl der Betrügereien beim Online-Banking. «Dabei wird der heimische Computer manipuliert», erklärt der PC-Fachmann Linz. Wer den Anhang einer E-Mail öffnet oder einem geschickten Link folgt, macht es den Tätern leicht. Ein Virus infiziert den Rechner und ermöglicht den Betrügern, die Bankgeschäfte zu manipulieren. So kann es schnell passieren, dass eine Überweisung statt beim gewünschten Empfänger vielmehr im Ausland landet. «Man selbst bemerkt den Betrug nicht, weil die aufgerufene Internetseite der Bank wie gewohnt aussieht und auch der Überweisungsvorgang wie sonst abläuft», weiß Linz.

Generell gilt laut den Experten, dass ein Betrüger nur dann auf den eigenen Computer zugreifen kann, wenn man ihm den Zugang ermöglicht. «Deshalb sollte man E-Mails unbekannter Absender und deren Anhänge nicht öffnen und auch keinem Link folgen», betonen die Fachmänner. Seriöse Unternehmen würden auch niemals elektronische Post versenden, in der sie dazu aufforderten, die Bankverbindung, Transaktionsnummern (TANs) für das Online-Banking oder andere persönliche Daten preiszugeben.

Gesunde Skepsis beim Umgang mit dem Internet lautet das Schlagwort. Wenn Ware in Online-Auktionshäusern besonders günstig sei – lieber die Finger von lassen. «Skeptisch sollte man auch sein, wenn ein Anbieter bislang nur wenig verkauft hat und plötzlich 200 Computer anbietet», erklärt Linz. Bei Verkaufsbewertungen sei genaues Hinschauen gefragt, weil sie leicht beschönigt werden könnten.

Wichtig sei auch, jeden Betrug anzuzeigen. «Die meisten gehen erst ab einem Betrugswert von 50 Euro zur Polizei, weil sie denken, dass es sich sonst nicht lohnt», berichtet Linz. Das stimme jedoch nicht, da Betrüger genau auf dieses Phänomen setzten. Der Kriminelle bietet nach den Worten der Fahnder nämlich nicht nur beispielsweise einen Gegenstand im Wert von zehn Euro an, sondern gleich 200 ­ und so ist die gesamte Schadenssumme entsprechend groß.

Die Aufklärungsquote bei Betrugsfällen im Internet ist mit rund 90 Prozent hoch. «Die Anonymität trügt, weil jeder beim Surfen Spuren hinterlässt», erklärt Linz. Mit einigen Sorgen blicken die Experten jedoch in die Zukunft. Bisher konnten sie die Inhaber einer sogenannten IP-Adresse, die einem mit jeder Netznutzung zugeordnet wird, bei den Internetanbietern feststellen lassen. Wegen der aktuellen Entwicklung bei der gesetzlichen Regelung der Vorratsdatenspeicherung sei dies derzeit nicht mehr möglich.

Werner erwartet, dass «durch die fehlenden Recherchemöglichkeiten die Aufklärungsquote signifikant sinken wird und viele Straftaten nicht mehr beweissicher verfolgt werden können». Die Projektgruppe hofft daher auf eine schnelle Neuregelung der Vorratsdatenspeicherung, damit sich keine rechtsfreien Räume im Internet etablieren.

Foto dpa

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