[Feature] Winnenden: Vater von Amokläufer Tim K. nicht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

6. Mai 2010 | by TechFieber.de

Der Vater des Amokläufers von Winnenden muss sich im Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht nicht wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der 51-Jährige Jörg K. muss sich vor der 18. großen Strafkammer verantworten, weil er seinem Sohn unerlaubterweise Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht habe, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte. Ein hinreichender Verdacht für eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung in mehreren Fällen bestehe nicht. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Der 17-jährige Tim K. hatte am 11. März vergangenen Jahres bei einem Amoklauf an der Albertville-Realschule sowie im Stadtgebiet Winnenden 15 Menschen und sich selbst erschossen. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Ende November den Vater beim Landgericht Stuttgart wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in 13 Fällen angeklagt, weil er die spätere Tatwaffe und Munition ungesichert in seinem Schlafzimmer aufbewahrt hatte.

Die Kammer argumentierte nun, eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung oder Körperverletzung entfalle immer dann, wenn die Folgen der Tat auch bei pflichtgemäßem Verhalten eingetreten wären. Die Strafkammer könne nicht ausschließen, dass Tim K. die Tat auch dann begangen hätte, wenn der Angeklagte Tatwaffe, Magazin und Munition im gesicherten Waffentresor verwahrt hätte. Es lägen erhebliche Anhaltspunkte vor, dass der Jugendliche die Zahlenkombination kannte.

Nach Ansicht der Jugendkammer hatte Tim K. am Tattag den Tresor geöffnet, dafür sprächen die beim Amoklauf verwendete Art und die Menge der verwendeten Munition. Ein früherer Klassenkamerad habe zudem ausgesagt, dass bei einem Besuch bei der Familie K. der Sohn den Tresor geöffnet habe und Waffen entnommen habe. Auch DNA-Spuren am Tresor seien dem 17-Jährigen zuzuordnen.

Die Strafkammer hält es nach eigenen Angaben zudem für ausgeschlossen, dass Tim K. die Munition von anderer Quelle beschafft haben könnte. Er hatte im Januar 2009 vergeblich versucht, in einem großen Jagdgeschäft passende Pistolenmunition für die Tatwaffe zu kaufen. Die Verkäufer hatten ihn abgewiesen.

Der angeklagte Vater hatte den Gerichtsangaben zufolge die Tatwaffen den gesetzlichen Aufbewahrungsvorschriften zuwider nicht im verschlossenen Waffentresor im Keller seines Hauses, sondern in einem Kleiderschrank unter Kleidung verborgen. Ein mit 10 Patronen geladenes Magazin bewahrte er in seiner Nachttischschublade, versteckt in einem Handschuh, auf, ein weiteres Magazin freizugänglich in einer Sportschützentasche. In den Vernehmungen hatte er dies zugegeben. Er sei aber davon ausgegangen, dass nur er die Verwahrungsorte gekannt habe, hatte er ausgesagt.

Die Zuständigkeit der Jugendschutzkammer, wie zunächst geprüft, ist laut Gericht nicht mehr gegeben, da sich der Vorwurf auf den Verstoß gegen das Waffengesetz beschränke.

tf/mei/

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