[Griechenland] Round-up: Ökonomen warnen – Griechenland-Gläubiger bleiben auf Schulden sitzen

28. April 2010 | by TechFieber.de

Nach der neuerlichen Abwertung griechischer Anleihen haben führende Ökonomen nur noch wenig Hoffnung, das Griechenland seine Schuldenkrise aus eigener Kraft beenden kann. Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, sagte dem Sender MDR aktuell am Mittwoch, Griechenlands Zukunft hänge nun vom Wohlwollen wirtschaftlicher und politischer Kräfte aus dem Ausland ab. Außerdem würden die Gläubiger nach Einschätzung Blums auf Teile der Schulden verzichten müssen. Sie müssten erkennen, dass ein großer Teil der Ausleihungen von fast 200 Milliarden Euro nicht mehr rückholbar sind.

«Der Stab über Griechenland ist damit eigentlich gebrochen», sagte Blum. Er fügte hinzu: «Der Internationale Währungsfonds wird jetzt restrukturieren. Und das heißt, dass Gläubiger auf Teile der Schulden verzichten müssen.» Alleine die deutschen Banken hätten 33 Milliarden Euro an Griechenland ausgeliehen, «und davon werden sie nicht viel wiedersehen».

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, empfahl den Euro-Staaten, sich auf einen möglichen Zahlungsausfall Griechenlands 2011 vorzubereiten. Im Notfall könne ein Europäischer Währungsfonds (EWF) eine geordnete Insolvenz einleiten, sagte Mayer laut «Financial Times Deutschland» (Mittwochausgabe) in Brüssel. Wenn die Gesamtschulden Griechenlands auf 150 Milliarden Euro halbiert werden, würden 100 Milliarden Euro auf den europäischen Steuerzahler entfallen – davon müsste Deutschland dann 30 Milliarden Euro übernehmen.

Der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, äußerte Verständnis für das Zögern der Bundesregierung bei der Hilfszusage. Wenn das Geld erst einmal bereitgestellt sei, «dann hat man kein Druckmittel mehr gegenüber Griechenland», sagte er im MDR Inforadio. Deutschland sollte sich nicht bedrängen lassen von den ausländischen Stimmen, die im Wesentlichen aus Ländern stammten, die selbst mit zu den Sündern gehörten.

Der Mainzer Finanzwissenschaftler und frühere Wirtschaftsweise Rolf Peffekoven hält einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für die beste Lösung zur Eindämmung der akuten Finanzprobleme. «Wenn Griechenland selbst austreten wollte, hätte sicher kein Euro-Land etwas dagegen», sagte Peffekoven der «Saarbrücker Zeitung» (Donnerstagausgabe). «Sowohl Griechenland als auch den übrigen Euro-Ländern wäre damit wohl am ehesten gedient.»

Griechenland müsse dann mit seinen Gläubigern Schuldenerlasse aushandeln, erläuterte der Finanzexperte. «Wäre Griechenland nicht in der Währungsunion, dann könnte es durch Abwertung seiner Landeswährung die Probleme in den Griff bekommen.» Das sei nun nicht mehr möglich. «Deshalb muss man darüber diskutieren, ob nicht ein Austritt Griechenlands aus dem Euro-Verbund die bessere Lösung ist», sagte Peffekoven.

Der ehemalige Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, appellierte an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), einen Bankrott Griechenlands zu verhindern. «Die Bundesregierung sollte schleunigst ihre zögerliche Haltung aufgeben», sagte Rürup «Focus Online». Es müsse noch in dieser Woche ein «klares Signal» geben: «Die Euro-Länder helfen den Griechen ohne Wenn und Aber.» Andernfalls würden die Finanzmärkte ähnlich verunsichert wie im Fall Lehman Brothers.

Rürup wandte sich dagegen, für eine Rettung Griechenlands Geld von deutschen Banken zu verlangen. «Die Banken haben derzeit genug Lasten zu schultern», sagte Rürup.

tf/mei/ddp

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