[Cyberkino] Short-Film-Festival: Kurzfilmtage Oberhausen will Kurzfilmern bei Vermarktung helfen

24. April 2010 | by TechFieber.de

Kurzfilmfestival: Kurzfilmtage Oberhausen

Deutschlands renommiertestes Kurzfilmfestival in Oberhausen geht angesichts der Video-Schwemme und Kostenlos-Kultur im Internet neue Wege: Festival-Chef Lars Henrik Gass will den nominierten Teilnehmern künftig helfen, im Netz mit ihren Filmen Geld zu verdienen.

Das sei bitter nötig, denn den Durchbruch zu den großen Etats schafften nur noch ganz wenige Filmer, sagt Gass, weil es immer weniger Kinos gibt, dafür aber immer mehr Filme und Festivals. Bei der Eröffnung der Kurzfilmtage am 29. Mai will der Festivalchef sein Konzept in Oberhausen vorstellen.

Grundlage ist das zur Berlinale 2008 gestartete Web-Portal «Onlinefilm.org», das allen Künstlern offensteht. Es wird von der Filmförderung unterstützt und erlaubt den Filmemachern freie Preisgestaltung ohne Lizenzverhandlungen mit einzelnen Anbietern oder Festivals. Künstler, die die begehrte Wettbewerbsteilnahme in Oberhausen erreicht haben, könnten auf dem Portal mit diesem Erfolg und der «Marke Oberhausen» werben, sagt Gass. Dies bringe ihnen entscheidende Vorteile.

Bis zum Jahresende oder spätestens bis zum Frühjahr 2011 hoffe er auf eine dreistellige Zahl von Oberhausen-Teilnehmern auf dem Online- Portal. «Ich hoffe, dass viele von ihnen dann auch Geld verdienen.» Ob und wie viel er für das Herunterladen verlangt, entscheidet allein der Künstler. Auf die Einrichtung eines YouTube-Channels für die Oberhausener Kurzfilme habe er verzichtet, weil beim kostenlosen YouTube-Portal ein Abruf gegen Bezahlung nicht möglich gewesen wäre, sagt Gass. Die Aufnahme in die Wettbewerbe haben 2010 von 5418 Einreichern nur 145 geschafft.

Früher war der Weg zur Regiekarriere gradliniger und begann oft genug in Oberhausen: Berühmte Regisseure von Roman Polanski bis George Lucas haben hier ihre ersten Erfolge erzielt – in der Regel mit aufwendigen 35-Millimeter-Filmen, die nach dem Festivalerfolg in die Kinos kamen und ihren Autoren den Weg ebneten.

Doch mit dem Siegeszug der Videotechnik und des Internet ist die Zahl der Kurzfilmangebote explodiert. Zugleich spielen immer weniger Kinos überhaupt noch Avantgarde-Filme im Vorprogramm. «Von der alten Preview-Funktion müssen die Festivals weg. Die meisten Festivalsieger sind doch in Kinos gar nicht mehr zu sehen», sagt Gass.

Auch technisch schaffen aktuelle Wettbewerbsteilnehmer oft nicht mehr den Kinostandard, sagt der Festivalchef. «Die Einreicher haben Internet und DVD als Abspiel-Level im Kopf. Die kommen hier mit ihrem Film auf dem Laptop an.» Von einer HD-Ausspielung für die große Kinowand seien diese – stark komprimierten – Datensätze Lichtjahre entfernt. «Wir haben die besten Player und Projektoren, aber die Datenträger kommen nicht mit. Da steht dann der Ferrari und keiner kann ihn fahren.»

Die Nachbearbeitung kann für einen Film mehrere tausend Euro kosten. Dass das Oberhausener Festival Filmemacher dabei berät und in Einzelfällen bei besonders gelungenen Angeboten auch finanziell unterstützt, belastet den stets knappen 1,2 Millionen-Etat allein in diesem Jahr mit einer fünfstelligen Summe.

Auf Dauer träumt Gass ohnehin von einer Zeit ganz ohne Datenscheiben. «Jedes Jahr nach dem Festival bestellen wir einen Container und werfen 5000 Film-DVDs weg, das ist doch verrückt», sagt er. Irgendwann in Zukunft würden die fertigen Filme nur noch zur Aussendung heruntergeladen – dann erübrigten sich auch die Abspielprobleme, die das weltweite Festival immer wieder mit Datenträgern etwa aus China hat.

Und neben allem High-Tech kündigt sich vorsichtig ein Retro-Trend an: «Wir haben dieses Jahr wieder eine leicht steigende Zahl von traditionellen 35-Millimeter-Filmen.»

Kurzfilmtage: www.kurzfilmtage.de

tf/mei/ddp

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