[Feature] 3D-Drucker fertigen Modelle – und immer mehr 3D-Printer zielen auf den Massenmarkt

22. April 2010 | by TechFieber.de

3d drucker X Guenter Schweitz hält ein tellergroßes Uhrwerk aus Kunststoff in den Händen. «Das ist voll funktionsfähig», sagt der Vertriebsmanager und lässt zum Beweis die beiden Uhrzeiger durch das Drehen der Zahnräder rotieren. Ein simples mechanisches Modell, das auf der Hannover Messe dennoch für staunende Gesichter unter den Besuchern sorgt. Denn das Uhrwerk wurde an einem 3D-Drucker gefertigt – wie auch die Cäsar-Büste, das Seitenteil eines Flugzeugsitzes oder die Zangen, die der Hersteller Stratasys auf der Innovationsschau an seinem Messestand präsentiert.

3D-Drucker produzieren auf Knopfdruck praktisch alles, was zuvor am Rechner als dreidimensionales Modell erstellt wurde. In wenigen Stunden entstehen kleine Bauteile, Werkzeuge, Prototypen oder Kunstobjekte. Was zunächst nach Science-Fiction klingt, ist die Weiterentwicklung des industriellen Prototypenbaus. «Das Marktpotenzial ist immens», sagt Schweitz. 3D-Drucker seien auf die Größe eines Kopierers geschrumpft und eigneten sich auch für den Bürogebrauch.

Hinter der Scheibe des neuesten Modells saust derweil der Druckknopf hin und her. In ihm wird Kunststoff aufgeheizt und als dünner Faden durch eine feine Drüse neben- und aufeinander geschichtet. Nach und nach wächst so ein dreidimensionaler Körper in die Höhe. «Viele Firmen haben den Drucker ursprünglich genutzt, um Muster zu erstellen», sagt Schweitz. Vorteil sei, dass der Kunde die Modelle in der Hand halten und «im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann». Da die beim 3D-Druck verwendeten Kunststoffe äußerst stabil und hitzebeständig seien, würden die Geräte mittlerweile aber auch zur Produktion von Einzelteilen oder Kleinserien eingesetzt.

Schweitz denkt jedoch noch einen Schritt weiter. «In ein paar Jahren stellen sich die Leute einen Drucker auch zu Hause hin», prophezeit der 60-Jährige. Um einen fehlenden Legobaustein oder kleine Ersatzteile für Hausgeräte herzustellen, seien dann nur noch ein paar Mausklicks nötig. Und wenn der Tochter der Puppenkopf nicht gefalle, «dann wird eben der Kopf von Mami eingescannt und ausgedruckt», fügt Schweitz hinzu.

Noch ist die Heimproduktion für jedermann aber Zukunftsmusik. Schließlich ist auch der derzeit wohl günstigste 3D-Drucker auf dem Markt, der auf der Hannover Messe von der Schweizer IT-Firma Inneo angeboten wird, mit knapp 8000 Euro noch nicht als Schnäppchen zu bezeichnen.

Für kleine und mittelständische Firmen, die ihre eigenen Prototypen herstellen möchten, ist diese Investition nach Ansicht von Inneo-Vertreter Dirk Wehrle aber durchaus lohnenswert. Bisher sei dies nur größeren Unternehmen möglich gewesen. Neben Modellen könnten mit dem 3D-Drucker zudem Einzelteile produziert werden, die sich zu fertigen Produkten wie Gehäusen, Sitzschalen oder sogar Fahrradrahmen weiterverarbeiten lassen.

Die Idee, den Herstellungsprozess zu demokratisieren und in die eigenen Hände zu nehmen, fasziniert inzwischen auch Forscher und Künstler auf der ganzen Welt. In sogenannten fabrication laboratories, kurz «Fab Labs», nutzen sie 3D-Drucker und computergesteuerte Lasercutter, um ihre digitalen Entwürfe gleich selbst zu produzieren. Die dafür notwendigen Programme und Maschinen sollen allen zugänglich gemacht werden.

In Bremen soll in Kürze das zweite deutsche «Fab Lab» entstehen. Initiatoren sind der Diplombildhauer und gelernte Werkzeugmacher Karsten Joost und der Ingenieur Axel Grischow. In der Mini-Fabrik könnten Modedesigner mit Lasercuttern Textilien zuschneiden, Oberflächen bearbeiten oder eigene Knopfkollektionen herstellen, erläutert Joost. Architekten hätten die Möglichkeit, schon nach wenigen Minuten ihr im 3D-Drucker gefertigtes Modell in der Hand zu halten.

Wichtig sei die Bereitschaft, sich bei der Arbeit über die Schulter gucken zu lassen, ergänzt der 42-Jährige, der Künstler, Techniker und Designer an einen Tisch holen möchte. Der Austausch von Wissen und Kreativität per Videokonferenz oder über das Internet, wo 3D-Baupläne veröffentlicht werden, sei eine Grundidee der «Fab Labs». Tüftler sollen aber auch die Möglichkeit bekommen, Produkte hinter geschlossenen Türen und nur für sich zu entwickeln.

Joost, der als Vorbild die gemeinnützigen «Fab Labs» in den Niederlanden nennt, schweben außerdem Workshops für Schulklassen oder Kooperationen mit Unis vor. Wann das Labor in Bremen eröffnet, steht noch in den Sternen. «Ohne Geld geht’s leider nicht», sagt Joost. Um die Finanzierung zu sichern, entstehe derzeit ein Freundeskreis aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, Bildungsinstitutionen und der Industrie.

tf/mei/ddp

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