[GamingFieber] Feature: Sicherer Spielen am PC – per virtueller Maschine verschiedene Betriebssysteme gleichzeitig ausführen

16. April 2010 | by TechFieber.de

Spiele virtueller Maschine Normalerweise reicht ein Betriebssystem auf einem Rechner völlig aus. Doch was tun, wenn das Steuerprogramm unter Mac OS X oder Linux nicht läuft oder wenn das Lieblingsprogramm aus XP-Zeiten mit Windows 7 nicht kompatibel ist? Eine Lösung ist eine sogenannte virtuelle Maschine, kurz VM genannt.

Eine virtuelle Maschine baut einen PC in Software nach, sagt Andreas Beier von der Zeitschrift «c’t». Sie funktioniert also wie ein Computer auf dem Computer. Für die Einrichtung einer VM gibt es verschiedene kostenlose Programme im Netz. Beier empfiehlt die Freeware VirtualBox.

Nach der Installation der Software hat man zunächst einen nackten Computer vor sich, den man ganz normal einrichten muss, und zwar mit allem Drum und Dran. Zunächst wird das gewünschte Betriebssystem aufgesetzt und anschließend die benötigte Software installiert und konfiguriert. Das Betriebssystem muss man wie bei einem richtigen Computer kaufen – es sei denn, man hat noch eine unbenutzte Lizenz in der Schublade liegen.

Besitzer von Linux und Mac OS X, die ein Windows-Programm zum Laufen bringen wollen, können den Kauf von Vista oder 7 eventuell umgehen: Mit Wine gibt es eine kostenlose Software, die theoretisch weiß, wie Windows funktioniert. Die Entwickler basteln also Windows-Bibliotheken nach. Wird ein Windows-Programm aufgerufen, greift Wine auf dieses Wissen zurück. Doch das funktioniert nicht immer. Zudem ist die Einrichtung ziemlich «bastelig», wie Beier sagt. Es gibt auch eine kommerzielle Variante von Wine namens CrossOver, die leichter zu bedienen ist. Zum Ausprobieren gibt es eine Demoversion im Internet. Wer nicht gerne an Software bastelt, sollte sich überlegen, ob man sich stattdessen nicht doch das gewünschte Betriebssystem kaufen sollte.

Wer nur ein altes Spiel zum Laufen bringen will, dem reicht eventuell sogar schon ein Emulator namens DosBox. Er empfiehlt sich bei allen Spielen, die in den 90er Jahren erschienen sind und auf MS-DOS basieren. Für Spiele der neuen Generation ist eine virtuelle Maschine hingegen überhaupt nicht geeignet. Das liegt daran, dass die Hardware bei virtuellen Maschinen meist von der Software simuliert wird und entsprechend schwach ist. Einige aktuelle Prozessoren unterstützen inzwischen auch die Einbeziehung von Teilen der vorhandenen Hardware, die dann doppelt genutzt werden kann – vom eigentlichen Rechner und vom virtuellen PC. Die VM kann in diesem Fall die CPU oder die Grafikkarte mitnutzen, allerdings mit klaren Einschränkungen. Wer ein 3D-Spiel der neuesten Generation auf einer virtuellen Maschine zum Laufen bringen will, wird vom Resultat bitter enttäuscht sein: Entweder das Spiel läuft gar nicht erst oder die Grafik ist deutlich herabgesetzt.

Für eine virtuelle Maschine sollte man ein paar Vorkenntnisse mitbringen und genügend Zeit und Geduld für die Einrichtung haben. Ist sie erst einmal am Start, profitiert man auch davon, sagt Beier. Mit ihr lassen sich nicht nur Programme zum Laufen bringen, die mit dem eigentlichen Betriebssystem des PCs nicht kompatibel sind, sondern sie ist auch eine perfekte Spielwiese. Auf einer virtuellen Maschine kann man nach Herzenslust neue Software testen, ohne Angst zu haben, dass am Rechner etwas kaputt geht. Wer schon immer mit seinem Betriebssystem experimentieren wollte, aber sich nicht getraut hat, ist hier ebenfalls genau richtig. Wenn etwas schiefgeht, setzt man die VM kurzerhand zurück.

Wer allerdings das Betriebssystem seines PCs zu Testzwecken noch einmal auf der virtuellen Maschine installiert, verstößt möglicherweise gegen Lizenzbedingungen – zumindest wenn es sich um ein Windows-Betriebssystem handelt. Rein theoretisch ist ein virtueller Computer ein zweiter PC, also braucht man auch eine zweite Lizenz, warnt Beier. Teurere Versionen erlauben diese Zweitnutzung, die billigen jedoch nicht. Daher sollte man vor der Installation genau in die Lizenzbedingungen schauen.

Virtuelle Maschinen gelten als guter Schutz gegen Viren, doch das ist laut Beier ein Trugschluss. Wer auf einer VM neue Software aus dem Internet ausprobiert, kann noch lange nicht erkennen, ob sie auch sauber ist. Viel schlimmer noch: Er wiegt sich vielleicht sogar in Sicherheit und zieht verseuchte Software von der virtuellen Umgebung auf seinen PC. Sobald Daten zwischen dem virtuellen und dem normalen PC ausgetauscht werden, sei auch ein Sicherheitsrisiko gegeben, warnt der «c’t»-Experte. Auch wer den umgekehrten Weg geht und beispielsweise Bankgeschäfte ausschließlich über die VM laufen lässt, geht ein Risiko ein. Denn wenn der Wirtsrechner verseucht ist, ist auch die VM in Gefahr. Ein Keylogger protokolliert ein Passwort auch von Anwendungen, die in einer VM laufen.

tf/mei/ddp

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