Chip-Branche obenauf: Auch Underdog AMD macht Gewinn im 1. Quartal

16. April 2010 | by Alex Reiger

AMD Gewinn Chip Die Überraschung ist perfekt: Der chronisch defizitäreHalbleiter-Konzern Advanced Micro Devices (AMD) hat im ersten Quartal Gewinn gemacht. Unterm Strich kamen 257 Millionen Dollar heraus,wo im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 416 Millionen Dollar stand.Konzernchef Dirk Meyer führte den Erfolg am Donnerstag auf die starkeProduktpalette zurück. AMD hatte über Jahre Verluste eingefahren. 2009 verhalfnur ein Milliardenscheck des Erzrivalen Intel zu einem positiven Abschluss.

Die beiden Unternehmen hatten mit der Zahlung Wettbewerbs- und Patentstreitigkeitenbeigelegt. Intel liefert vier von fünf Computerprozessoren, AMD muss sich denverbleibenden Markt mit einigen Spezialanbietern teilen.

Der Umsatz von AMD sprang um mehr als ein Drittel auf 1,6 Milliarden Dollarhoch – ein Rekordwert für das erste Jahresviertel. Intel hatte mit seinen Zahlenzu Wochenbeginn aber bereits die Marschrichtung vorgegeben. Die gesamteHalbleiter-Branche war schwer von der Rezession in Mitleidenschaft gezogenworden und hatte sich ebenso rasch wieder erholt.

Derzeit boomen vor allem diechiphungrigen Computer: Nach Daten des Marktforschers Gartner gingen von Januarbis März 84,3 Millionen Rechner über die Theke, 27 Prozent mehr als vor einemJahr. Und der gute Lauf soll anhalten. Besonders Europa, der Nahe Osten undAfrika hatte Bedarf an neuer Hardware.

Die Unternehmen müssen dringend ihrealten Computer austauschen. Das hatten sie in der Rezession aufgeschoben. Beiden Privatkunden kommen Laptops sehr gut an.

ANLEGER ZUFRIEDEN

Zu den größten Produktionsstandorten für AMD zählt Dresden. Die Fabrikgehört den Amerikanern allerdings nicht mehr alleine. Auf seinem Sanierungskurshatte der US-Konzern seine Chipfertigung vollständig ausgegliedert. DieProduktion wird nun unter dem Namen Globalfoundries gemeinsam mit dem Emirat AbuDhabi betrieben. Als Folge der Ausgliederung flossen AMD im Quartal untermStrich 211 Millionen Dollar zu, was das Ergebnis nach oben trieb.

Die Börsianer freuten sich über die Wende bei AMD: Die Aktie desUnternehmens aus dem kalifornischen Sunnyvale stieg nachbörslich um 2 Prozent.Und das, obwohl AMD nicht damit rechnet, im laufenden zweiten Quartal das hoheUmsatzniveau halten zu können. Es gehe saisonal bedingt abwärts, prognostizierteder Konzern. Zu den Gewinnaussichten machte AMD keine Angaben.

INTEL DIE NUMMER EINS

Gegen Intel hat es AMD weiterhin schwer: Der Konkurrent drängt mit seinenneuen stromsparenden Prozessoren in den schnell wachsenden Markt derSmartphones. Die Liga der ultrakleinen Laptops, der sogenannten Netbooks, hatteIntel bereits mit seinem Atom-Chip besetzt. Zudem kann Intel dank seinerFinanzkraft schneller auf kleinere sogenannte Strukturbreiten umstellen, was dieChips stromsparender und leistungsfähiger macht und die Produktion verbilligt.

Mit IBM legt am Montag ein weiteres Schwergewicht der Technologiebrancheseine Zwischenbilanz vor. Auch hier erwarten Analysten ein starkes Abschneiden.Damit mehren sich die Zeichen, dass die Wirtschaftskrise allmählichausklingt.

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