[business] [Feature] Frühjahrsgutachten: Wirtschafts-Experten heben Wachstumsprognose an

15. April 2010 | by TechFieber.de

X Führende Wirtschaftsforscher sind inzwischen zuversichtlicher für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland als noch im Herbst und erwarten eine moderate Belebung. In ihrem gemeinsamen Frühjahrsgutachten erwarten sie für dieses Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 Prozent, wie aus der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Expertise hervorgeht. Im Herbst waren die Ökonomen noch von einem Plus von 1,2 Prozent ausgegangen.

Für nächstes Jahr erwarten sie einen Anstieg von 1,4 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die Wirtschaft mit einem BIP-Minus von fünf Prozent die stärkste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg erfahren.

Getrieben werde die Erholung weiter von den Exporten, die in der Rezession unerwartet stark eingebrochen waren. Sie profitierten von der lebhaften Expansion insbesondere in den Schwellenländern. Die Risiken blieben allerdings groß. Beispielsweise sei die Lage im Bankensektor weiter schwierig und an den Finanzmärkten könnten immer wieder Probleme auftreten.

Zudem erwarten die Forscher einen Rückgang der Arbeitslosigkeit von durchschnittlich 3,423 Millionen im vergangenen Jahr auf 3,382 Millionen in diesem und 3,313 Millionen im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote liege damit in diesem Jahr wie 2009 bei 7,8 Prozent. 2011 soll sie bei 7,6 Prozent liegen.

Die Lage der öffentlichen Haushalte dürfte sich hingegen weiter verschlechtern. Die Defizitquote sehen die Experten in diesem Jahr bei 4,9 Prozent nach 3,3 Prozent im vergangenen Jahr. Für 2011 sei mit einem Rückgang auf 4,2 Prozent zu rechnen.

Die Autoren des Frühjahrsgutachtens

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute erstellen zweimal jährlich –
im Frühjahr und im Herbst – für die Bundesregierung ein gemeinsames
Gutachten zur gesamtwirtschaftlichen Lage Deutschlands. An der
Erarbeitung des Frühjahrsgutachtens, das am Donnerstag an
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) übergeben wurde,
waren die folgenden Institute beziehungsweise Arbeitsgemeinschaften
beteiligt:

— Ifo Institut für Wirtschaftsforschung München mit der
Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen
Hochschule Zürich

— Institut für Weltwirtschaft Kiel

— Institut für Wirtschaftsforschung Halle mit dem Institut für
Makroökonomie und Konjunkturforschung Düsseldorf sowie das
Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung Wien

— Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung Essen
mit dem Institut für Höhere Studien Wien

Eckpunkte des Frühjahrsgutachtens 2010

Das von der Bundesregierung bei führenden Wirtschaftsforschungsinstituten in Auftrag gegebene rund 90-seitige Frühjahrsgutachten 2010 mit dem Titel «Erholung setzt sich fort – Risiken bleiben groß» umfasst folgende Eckpunkte:

WACHSTUM:

Die Forscher rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,5 Prozent in diesem und 1,4 Prozent im nächsten Jahr. In ihrem Herbstgutachten 2009 waren sie für 2010 noch von einem Anstieg von 1,2 Prozent ausgegangen. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 5,0 Prozent eingebrochen.

VERBRAUCHERPREISE:

Die Ökonomen erwarten einen stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise. Nach einer Inflationsrate von 0,4 Prozent im vergangenen Jahr rechnen sie für 2010 mit einer Zunahme von 0,9 Prozent. 2011 sehen sie die Inflationsrate bei 1,0 Prozent.

ARBEITSMARKT:

Die Experten rechnen mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen soll von durchschnittlich 3,423 Millionen im vergangenen Jahr auf 3,382 Millionen in diesem und 3,313 Millionen 2011 sinken. Die Arbeitslosenquote würde damit in diesem Jahr wie 2009 bei 7,8 Prozent liegen und sich 2011 weiter auf 7,6 Prozent verringern.

STAATSDEFIZIT:

Die Lage der öffentlichen Haushalte wird sich nach Ansicht der Wissenschaftler weiter verschlechtern. Die Defizitquote dürfte in diesem Jahr bei 4,9 Prozent liegen, nach 3,3 Prozent im vergangenen Jahr. Im kommenden Jahr sei mit einem Rückgang der Quote auf 4,2 Prozent zu rechnen, insbesondere weil die Konjunkturprogramme ausliefen und erste Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ergriffen werden dürften.

GELDPOLITIK:

Die Finanzpolitik in Deutschland sollte nach Auffassung der Forscher 2011 auf einen Konsolidierungskurs einschwenken. Voraussichtlich werde sich die konjunkturelle Lage dann so weit gefestigt haben, dass die Erholung durch einen Sparkurs nicht in einem Ausmaß beeinträchtigt würde, das dies einen Rückfall in eine Rezession bedeuten könnte. Die Forscher erwarten zudem, dass die Europäische Zentralbank ihren Leitzins in diesem Jahr unverändert bei 1,00 Prozent belassen wird.

tf/mei/ddp

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