[Business] Banken: Mega-Betrug bei der Commerzbank: Ex-Banker gesteht Veruntreuung in Millionenhöhe

14. April 2010 | by TechFieber.de

X Besonders schwer wurden Detlef S. seine Betrügereien in Millionenhöhe nicht gemacht. Der langjährige Mitarbeiter der Commerzbank in Frankfurt kam 2003 auf die Idee, sein schon recht stattliches Gehalt noch durch fingierte Rechnungen aufzubessern. «Ich hatte die Schwachstelle des Systems erkannt», gestand der 47-Jährige am Mittwoch vor dem Frankfurter Landgericht, wo er sich wegen der Veruntreuung von 7,9 Millionen Euro verantworten muss.

Um das Geld abzuzweigen, hatte der gelernte Industriekaufmann gemeinsam mit zwei mitangeklagten Bauunternehmern 109 Scheinrechnungen gestellt. Dabei offenbarten sich große Mängel im damaligen elektronischen Rechnungssystem der Commerzbank. So konnte der Angeklagte sich trotz des Vier-Augen-Prinzips die Scheinrechnungen selbst zuschicken und dann freigeben. In anderen Fällen füllte er die Überweisungsträger selbst per Hand aus und legte sie den Rechnungen bei, ohne dass Kollegen dies beanstandeten.

Dabei sahen die Rechnungen teilweise aus, «als habe sie ein Fünfjähriger geschrieben», staunte der Vorsitzende Richter Martin Bach. So sandte einer der beiden Mitangeklagten für eine Summe von gut 50 000 Euro eine nur zweizeilige Rechnung mit Rechtschreibfehlern und falsch ausgewiesener Mehrwertsteuer.

Der langjährige Betrug war erst Ende 2007 durch externe Wirtschaftsprüfer aufgeflogen. Das interne Controlling der Bank hatte den leitenden Angestellten hingegen zuvor dafür gelobt, dass er überflüssige Zeitungsabonnements im Wert von jährlich rund 150 Euro gekündigt hatte.

Von dem veruntreuten Geld will der Angeklagte nach eigenen Angaben aber nur etwa zehn Prozent selbst erhalten haben. Die restliche Summe sei bei den beiden mitangeklagten Unternehmern verblieben, die die Scheinrechnungen gestellt hatten. Obwohl er bei dem groß angelegten Betrug das meiste Risiko trug, führte der Prokurist nach eigenen Angaben aber kein Buch über die Scheinrechnungen. «Ich war selbst überrascht über die hohe Gesamtsumme», sagte S.

Da ihm der Betrug so leicht gemacht wurde, gefiel sich S. offenbar als spendabler Gönner. Der ortsansässige Fußballverein in Neu-Isenburg, eine Zeitarbeitsfirma oder zwielichtige Geschäftsleute sollen von den Machenschaften des ehemaligen Bankangestellten profitiert haben. «Er hatte den Wunsch nach Anerkennung und hat sich in einer Scheinwelt gesonnt», sagte sein Verteidiger.

Immerhin reichte das Geld, um ein luxuriöses Haus in Groß-Umstadt teilweise zu finanzieren und mit Designer-Möbeln einzurichten. Doch davon ist S. nichts geblieben. Seine Frau hat sich von ihm getrennt, der 47-jährige Vater dreier Kinder lebt mittlerweile wieder bei seiner Mutter in Neu-Isenburg. Von dem veruntreuten Geld wird er nach Angaben seines Anwalts nicht mal die Zinsen zurückzahlen können.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

tf/mei/ddp

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