MobileFieber: Microsoft kündigt KIN an – die nächste Generation der Social Phones

13. April 2010 | by Alex Reiger

microsoft kin social phones

Microsoft macht das Handy sozialer – der Redmonder Software-Riese bestätigt jetzt offiziell die „Social Phones“: Gemeinsam mit den Partnern Sharp, Verizon Wireless und Vodafone bringt MS die Smartphones Kin One und Kin Two heraus, die ganz auf Nutzer von Social Networks wie Facebook, MySpace, LinkedIN oder Twitter ausgelegt sind.


Der Verkaufsstart der ersten Social Phones von Micrsoft soll im Mai 2010 bei Verizon in den USA beginnen. Ende des Jahres soll es die „Kin One“- und „Kin Two“-Smartphones dann auch hierzulande geben – und zwar über den Mobilfunk-Netzbetreiber Vodafone.

Insbesondere sollen die Social-Handys dazu dienen, eigene Statusmeldungen sowie Statusmeldungen von Freunden (also beispielsweise Texte, Bilder, Videos oder GPS-Ortsdaten) auf einfache Weise verwalten zu können.

Im „Kin One“ ist eine Kamera mit fünf Megapixel integriert, beim großen Bruder „Kin Two“ kann die Cam mit 8 Megapixeln auslösen.

Wie groß der interne Speicherplatz sein wird, ist derzeit noch unbekannt – dieser soll aber über externe Speicherkarten erweiterbar sein. Entworfen wurden Hardware, Software und Onlinedienste der Social-Telefone von MS in Eigenregie, die Herstellung übernimmt der japanische Elektronik-Riese Sharp.

Der Preis der Handys ist bislang noch nicht bekannt.

Microsoft geht im Mobilfunk-Markt in die Offensive. Nachdem der Internet-Konzern Google mit seinem Nexus One vorgeprescht ist, hat nun auch der rivalisierende Software-Riese aus Redmond seine eigenen Handys herausgebracht.

Beide Unternehmen wollen nicht länger nur das Betriebssystem für die boomenden Smartphones liefern. Für Microsoft ist es nach Jahren des mäßigen Erfolgs ein Neustart. Bei den als «social phone» bezeichneten Handy-Modellen KIN One und KIN Two tritt das Telefonieren in den Hintergrund. Die Geräte sind speziell für die Kommunikation in sozialen Netzwerken ausgelegt. Die Zielgruppe sind in erster Linie Jugendliche. Deshalb hat Microsoft in den KIN-Modellen auch erstmals seine Musikspieler-Technologie Zune integriert. Daten und Dienste können über das Netz (Cloud) mit dem Computer zu Hause synchronisiert werden.

Bislang hatte Microsoft eher das Geschäft mit Unternehmenskunden im Visier. Mit Windows Mobile wollte der Konzern die bekannte Computeroberfläche aufs Handy bringen, vom E-Mail-Programm Outlook bis zum Browser Internet Explorer. Doch der Plan schlug fehl. Die Kunden griffen lieber zu Konkurrenzmodellen mit Googles Smartphone- Betriebssystem Android, den Blackberrys von RIM oder dem Apple iPhone.

Die KIN-Handys sollen die Erosion stoppen und die Jugend erobern. «Das ist eine Altersgruppe, um die Microsoft kämpfen muss», sagte ABI-Research-Analyst Kevin Burden der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg. Nach Erhebungen der New Yorker Marktforscher war Microsoft im weltweiten Smartphone-Markt zuletzt deutlich von 12,5 auf 7,9 Prozent Marktanteil abgerutscht. Das iPhone legte im gleichen Zeitraum von 10,8 auf 16,6 Prozent zu, Handys mit Android von 1,7 auf 8,5 Prozent.

Im Mai stehen die KIN-Handys in den USA in den Regalen, in Deutschland vertreibt Vodafone die Telefone exklusiv ab Herbst. Ende des Jahres soll dann das komplett neu gestaltete Betriebssystem Windows Phone 7 einen Schlussstrich unter die Ära der PC-orientierten Bedienoberflächen auf Handys ziehen. Die jahrzehntelang verfolgte Vision von Microsoft-Gründer Bill Gates, den Computer auf das Telefon zu übertragen, ist damit gescheitert.

«Der PC ist komfortabel, aber das Telefon ist kein PC», hatte Microsoft-Manager Joe Belfiore auf dem Mobile World Congress in Barcelona im Februar verkündet. Bei den ersten Telefonen mit dem neuen System, die für Ende des Jahres angekündigt sind, soll die Bedienerfreundlichkeit und die soziale Kommunikation im Vordergrund stehen und das umständliche Navigieren mit einem kleinen Stift entfallen.

Nach den vielen Misserfolgen im Mobil-Markt hatte Microsoft-Chef Steve Ballmer auf einem Manager-Treffen mit einem seiner legendären Tobsuchtsanfälle das Ruder herumgerissen. Der Mann, der nun den Neustart wesentlich mitgestalten soll, kommt aus Deutschland: der bisherige Deutschland-Chef Achim Berg. In der für ihn neu geschaffenen Position des Corporate Vice President ist Berg künftig für das weltweite Mobilfunk-Geschäft von Microsoft verantwortlich. Der 46-Jährige ist ein ausgewiesener Telekom- und Mobilfunk-Experte und war zuletzt Mitglied des Vorstand der T-Com.

Die KIN-Handys hat Microsoft in enger Kooperation mit dem japanischen Elektronikkonzern Sharp selbst entwickelt und will es unter eigenem Namen vermarkten. Das könnte ein riskantes Spiel sein. Die Liaison könnte bisherige Hardware-Partner vor den Kopf stoßen, die bislang Microsofts Betriebssystem auf ihren Geräten nutzen. Vor der gleichen Gefahr hatten Branchenkenner auch schon im Falle von Google und dessen Nexus One gewarnt. Hier war der Partner auf Hardware-Seite die taiwanesische HTC.

Anders als Google vertreibe Microsoft seine neuen KIN-Geräte aber nicht selbst über einen eigenen Shop, sondern arbeite für den Vertrieb mit den Providern Verizon und Vodafone zusammen, betonte Microsoft-Manager Robbie Bach. Nach Einschätzung von Burden könnte der Software-Konzern damit dem Problem mit verstimmten Hardware- Partnern aus dem Weg gehen.

Über die großen Mobilfunk-Anbieter hat Microsoft zudem die Chance, hohe Stückzahlen zu verkaufen. Denn bei Google blieb der Erfolg im Massenmarkt bislang aus. Nur wenige Kunden sind bereits, den vollen Gerätepreis zu zahlen – sie lassen ihre Handys lieber subventionieren und zahlen monatlich etwas mehr an die Provider. Das gilt ganz besonders für die anvisierte Jugend.

— Mehr Details und Pressemitteilung:

techPR/press release — Unterschleißheim, 12. April 2010. Microsoft hat heute KIN angekündigt, ein sogenanntes Social Phone für Menschen, die sich aktiv in sozialen Netzwerken betätigen und die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation nutzen. KIN stellt die Verbindung aus Handy, Online-Angeboten und dem PC dar und eröffnet neue Erlebniswelten für den Nutzer. KIN wird in den USA ab Mai 2010 von Verizon Wireless verkauft. In Deutschland sowie in Italien, Spanien und Großbritannien wird das neue Handy exklusiv von Vodafone ab Herbst verfügbar sein.

„Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir speziell für die neue Generation von Nutzern eine mobile Erlebniswelt entwickelt – ein Handy, mit dem sie jeden Moment ihres Lebens mit anderen teilen können“, sagt Robbie Bach, President der Entertainment & Devices Division von Microsoft. „KIN ist für Menschen, die sich in einer vernetzten Welt ausdrücken sowie mit ihren Freunden und ihrer Familie austauschen möchten. Diese Generation der sozialen Netzwerker wünscht sich mehr von ihrem Handy. Hier finden sie alle relevanten Informationen und die Menschen, die für sie am wichtigsten sind.“

Eine neue Klasse von Social Phones

Die Bedienoberfläche von KIN ist einfach und macht Spaß. Social Networking ist hier in die Handy-Struktur integriert. Anstelle von Menüs und Icons setzt KIN auf die Themen, die dem Nutzer wirklich wichtig sind, beispielsweise Kontakte, Freunde, Textnachrichten, Bilder, Videos oder der Austausch in Netzwerken. Das Hardwaredesign wurde gemeinsam mit Sharp entwickelt. KIN wird in zwei Modellen angeboten: KIN ONE und KIN TWO, beide mit Touchscreen und einer Slide-out-Tastatur. ONE ist klein und kompakt und kann problemlos mit einer Hand bedient werden. Bildschirm und Tastatur von TWO sind größer. Darüber hinaus bietet das Gerät mehr Speicherplatz, die Kamera besitzt eine höhere Auflösung und erlaubt das Filmen in HD-Qualität. Die Kameras in beiden Geräten – sowohl die Fünf-Megapixel-Variante in ONE, als auch die Acht-Megapixel-Variante in TWO – liefern aufgrund des Bildstabilisators und dem hellen LumiLED-Blitz auch bei schwierigen Umgebungsverhältnissen scharfe Bilder.

Eine neue Form des Sich-Mitteilens

Der Startbildschirm des Handys, der sogenannte KIN Loop, zeigt immer die neuesten Informationen aus den sozialen Netzwerken des Nutzers an. Dabei werden die Inhalte automatisch aus den verschiedenen Online-Angeboten von Microsoft, aber auch Facebook, MySpace, Twitter und anderen Anbietern, zusammengeführt. Der Nutzer wählt einfach seine gewünschten Kontakte und Freunde aus. Deren Status-Updates, Nachrichten, Feeds und Bilder werden dann automatisch von KIN priorisiert angezeigt.

Der Nutzer kann nun auch auf einfache Art seine eigenen Updates über den KIN Spot veröffentlichen oder verschicken. Dazu zieht er Videos, Bilder, Texte, Webseiten, GPS-Informationen oder Status-Updates auf einen Bereich, den Spot, am unteren Rand des Bildschirms. Nach der Auswahl, wie und wo die Information veröffentlicht werden soll, beginnt die Übertragung.

Das Handy im Internet

Das KIN Studio ist das Handy im Internet. Fast alles, was auf dem Handy passiert, ist damit auch im Netz verfügbar. KIN Studio spiegelt und archiviert die Anruflisten, alle SMS, MMS, Kontakte oder Freunde sowie sämtliche Bilder und Videos, auf die über den PC mit einem Internet-Browser zugegriffen werden kann. Über einen grafischen Zeitstrahl kann der Nutzer jederzeit nachvollziehen, was innerhalb der eigenen Netzwerke am letzten Geburtstag oder während eines Wochenendes mit Freunden passiert ist. Außerdem gibt KIN Studio den Nutzern zusätzlichen Speicherplatz für alle Fotos, Videos, Kontakte und Nachrichten.

Musik und mehr

KIN ist das erste Windows Phone im Markt, das die Zune-Angebote einschließlich Musik, Video, FM-Radio und Podcast integriert. Der in KIN vorhandene Browser unterstützt nicht nur die Internetsuche, sondern auch die lokale Suche über Bing. Ein RSS-Feed Reader ist ebenfalls enthalten.

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