[techTipp] WLAN-Stick ersetzt defekte Computer-Karte

18. Dezember 2009 | by TechFieber.de

Wlan stick

Kalbellos im Internet surfen – via WLAN-Sticks. Vor fünf Jahren waren die kleinen Steckerlinge noch heißbegehrte Accessoires, WLAN- bzw. WiFi-Sticks oder -PCMCIA-Steckkarten für Notebooks ein Riesengeschäft. Heute ist die WLAN-Funktionalität auf den Hauptchips von Laptops und sonstigen Mobil-Computern verbaut. Dennoch gibt es noch reges Leben nach dem Tod für den WLAN-Stick: Zum Einsatz kommen die Funkstifte heute vor allem, wenn alte Computer aufgerüstet werden oder die neueren defekt sind.

Deshalb gibt es einen – zwar kleinen – Markt für diese Sticks, auf dem sich allerdings viele Anbieter tummeln. So haben D-Link , Realtek, Allnet, Hama, Linksys, Zyxel, SNC Networks, Belkin, Netgear, Vivanco oder AVM die Adapter in verschiedenen Varianten im Programm. Beim Kauf eines Websticks ist auf Funkfrequenzen, Verschlüsselungs-Modi, Kompatibilitätsfragen und ein Buchstabenkürzel des Funknetzstandards zu achten.

«WLAN-Sticks bekommt man schon ab zehn Euro nachgeschmissen», sagt Rudolf Opitz von der Zeitschrift «c’t». Aber sie werden weiter entwickelt. So wurde vor kurzem als Nachfolger der Spezifikationen IEEE 802.11b und IEEE 802.11g der neue, schnellere WLAN-Standard IEEE 802.11n eingeführt, der laut Opitz eine theoretische Datenrate von 300 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ermöglicht. Der 11n-Standard erreicht die hohen Datenraten durch Mehrantennentechnik. Entsprechende Sticks kosten rund 20 Euro.

Doch dürfte die Potenz der Neuen in den üblichen Anwenderszenarien verpuffen: «Im Normalfall, wenn man E-Mails lesen oder surfen will, reicht ein Durchsatz von 11 Mbit/s», sagt der Redakteur. Dies leisten bereits Websticks nach dem älteren 11b-Standard. Für die meisten DSL-Internetverbindungen ist man damit gut gerüstet. «Wer öfter Dateien in der Größenordnung von mehreren Gigabyte herunterlädt, zum Beispiel Videos oder Musik von seinem Homeserver auf das Mobilgerät, der bräuchte allerdings eine der schnelleren Varianten.»

Den WLAN-Adapter zum Laufen zu bringen, ist in der Regel schnell erledigt. «Entweder liegt eine CD bei, von der man den Treiber installiert, oder die Treiber sind auf einem Speicherchip im Stick; sie werden automatisch installiert und das Ding läuft», sagt Opitz. Vorausgesetzt, die Zugangsdaten des Anschlusses sind zur Hand, kann losgesurft werden.

Doch es kann passieren, dass der Router für den heimischen Internetanschluss den schnelleren Stick ausbremst. Zwar sind die Surfsticks zu den langsameren WLAN-Standards abwärtskompatibel. Doch ist der Stick neueren Datums den Aufpreis nicht wert, wenn der Router etwa nur den Aufdruck IEEE 802.11b hat. «Man sollte also darauf achten, dass die Leistung der Sticks – b, g oder n – der Leistung des Routers entspricht», sagt Opitz. Zudem könne es vorkommen, dass einem ein Webstick des hierzulande eher seltenen Standards IEEE 802.11a in die Hände falle, der anstelle auf der Funkfrequenz von 2,4 mit 5 Gigahertz sende. Diese Sticks seien mit den von den Providern üblicherweise ausgelieferten Routern nicht kompatibel. Es sind allerdings auch WLAN-Sticks erhältlich, die beide Funkbereiche nutzen können. Entsprechende Sticks kosten im Internet rund 50 Euro.

Wer im 5-Gigahertz-Bereich funken möchte, muss einen entsprechenden WLAN-Router anschaffen; als Bonbon für den finanziellen Aufwand von meist über 100 Euro bekommt man ein für Störungen unanfälligeres Netz. «Der 2,4-Gigahertz-Funkbereich ist ein sogenannter freier Frequenzbereich, in dem viele drahtlose Geräte funken können – per Bluetooth oder WLAN, und nicht zuletzt die Mikrowelle aus der Küche arbeitet in dem Bereich», sagt Opitz. Im 5-Gigahertz-Band sehe es dagegen «deutlich ruhiger aus».

Was die Funkverbindung vieler Websticks beeinträchtigt sind Decken und Wände. «Und zwar sehr deutlich», sagt Opitz. Was sich wie ein Nachteil anhört, ist im Sinne der Datensicherheit ein Vorteil, denn je kleiner der Funkradius, desto weniger potenzielle Datendiebe. «Gerade bei Funknetzwerken ist große Reichweite oft gar nicht erwünscht«, sagt Opitz. Für die eigenen vier Wände reichten die Signalstärken in der Regel aber aus.

Nur solle der Kunde bei den Datenraten wissen: »Bei den Herstellerangaben handelt es sich grundsätzlich um Bruttowerte.« Allein die Sicherheitsprotokolle reduzierten die Werte; insgesamt könnten als Faustregel 50 Prozent abgezogen werden. Gibt ein Hersteller für einen Stick 54 Mbit/s an, so liegt der reelle Praxiswert demnach bei rund 30 Mbit/s. Manche Hersteller gehen etwaige Empfangsprobleme auch mechanisch an: Mittels USB-Kabel und Standfuß kann die richtige Position gesucht werden.

Stichwort Datensicherheit: Die meisten der erhältlichen Websticks unterstützen die Verschlüsselungsstandards WPA und WPA2, die nach Einschätzung von Opitz hinreichenden Schutz bieten. Doch er warnt vor dem Einsatz der »veralteten« WEP-Verschlüsselung, wie sie bei vielen Geräten noch angeboten werde. »Für ein einfaches Knackprogramm, das aus dem Internet geladen werden kann, stellen WEP-Verschlüsselungen kein Hindernis mehr dar.»

Der WLAN-Stick, seine Vorgänger, sein Nachfolger

Der USB-WLAN-Stick ist ein probater Ersatz für die eingebaute WLAN-Karte – etwa, wenn diese defekt ist. Es gibt weitere Alternativen, sich per Adapter ins lokale Drahtlos-Netzwerk einzuklinken, doch fast alle sind nicht mehr gängig oder befinden sich in einer enger werdenden Nische.

Die PCMCIA-Karte: Moderne tragbare Computer verfügen nicht mehr über einen entsprechenden Steckplatz. «PCMCIA ist veraltet, heute gibt es ExpressCards», sagt Rudolf Opitz von der Zeitschrift «c’t». Letztere seien schmaler und hätten eine schnellere Anbindung. Doch ähnlich wie USB-Sticks würden die Geräte kaum nachgefragt, «höchstens, um ein altes WLAN auf ein schnelleres upzudaten».

Die WLAN-fähige CompactFlash-Karte ereilt das gleiche Schicksal. «Damals als Pocket-PCs und PDAs noch große Verbreitung fanden, waren CF-Karten sehr begehrt», sagt Opitz. «Man konnte diese Geräte, die oft einen CF-Slot hatten, mit WLAN nachrüsten.» Heutzutage seien Smartphones standardmäßig meist mit WLAN, UMTS und Bluetooth ausgestattet.

Ferner gibt es Adapter, die die Netzwerkschnittstelle eines Gerätes um die drahtlose Dimension erweitern. Diese WLAN-Lan-Adapter, teils auch WLAN-Client-Adapter genannt, verfügen über einen RJ45-Stecker und können an die entsprechende Buchse am Computer angeschlossen werden. Auch netzwerkfähige Spielekonsolen oder Drucker können, so sie nicht ohnehin WLAN-Funktionalität haben, aufgerüstet werden.

Räumlich und technisch unabhängig von einem WLAN agieren Surfsticks mit UMTS- oder GPRS-Anbindung, die als Nachfolger der WLAN-Sticks angesehen werden können. Sie enthalten ein Modem, mit dem eine Internetverbindung hergestellt wird. Telekommunikationsanbieter bieten Tages-, Stunden- oder generelle Flatrates mit und ohne Vertragsbindung.

[tf/mast/ddp] [Photo AVM/Fritz]

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