[Update] Revival auf dem Börsen-Parkett: Internet-Dino AOL bereitet IPO vor

10. Dezember 2009 | by TechFieber.de

AOL logo IPO

Totgesagte leben länger. Viel länger. Das gilt auch für die Überlebenden des Dotcom-Crashes der Jahrhundertwende. Prominentestes Beispiel hierfür ist der Internet-Pionier AOL, der einst unter der Bezeichnung America Online als „Online-Dienst“ fungierte und die wichtigste Zugangspforte zum WWW der ersten Tage darstellte.

Nach acht desaströsen Jahren und einer mehr oder minder gescheiterten Fusion mit dem US-Medienriesen Time Warner feiert AOL nun ein Revival auf dem Börsen-Parkett. Ab dem heutigen Donnerstag kommt die AOL-Aktie wieder in den Handel in NewYork. Am Mittwoch war AOL dafür formell aus dem Konzern herausgelöst worden.

Time Warner zieht damit den Schlussstrich unter einen sehr teuren Fehlschlag. Die rund 100 Milliarden Dollar schwere Fusion von AOL und Time Warner war im Jahr 2001 als Jahrhundert-Hochzeit gefeiert worden. Nach dem Platzen der Internet-Blase blieben gigantische Verluste, die Ehe galt als gescheitert.

GEWINNEINBRUCH

Noch zuletzt hatte Time Warner auch wegen AOL einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Überschuss fiel im dritten Quartal um fast 40 Prozent auf 661 Millionen Dollar (444 Mio Euro). Die Internetsparte leidet seit längerem unter sinkenden Nutzerzahlen sowie niedrigen Werbeeinnahmen und wies in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen heftigen Umsatz- und Gewinnrückgang aus.

Der Leidensdruck bei Time Warner war so groß, dass der Konzern AOL an seine Anteilseigner verschenkt: Für jeweils elf Time-Warner-Aktien erhalten dieAktionäre ein neues AOL-Papier zuzüglich einer Quartalsdividende von 0,1875 Dollar je Anteilsschein.

Nach der Loslösung, das hatte der bisherige Mutterkonzern zuvor angekündigt, muss AOL sein Geschäft auf Vordermann bringen und dafür teuer umbauen. Im November hatte AOL angekündigt, rund 2500 Stellen und damit ein Drittel aller Arbeitsplätze zu streichen. Die Kosten sollen dadurch um 300 Millionen Dollar pro Jahr sinken. Allerdings soll die Restrukturierung zunächst rund 200Millionen Dollar kosten. Time Warner selbst steckt bereits seit längerem in einem Umbau. In Europa hat sich der Konzern längst vom AOL-Geschäft mit Internetzugängen getrennt. Auch die Kabelnetz-Sparte ist weg. Zum Kerngeschäft von Time Warner gehören TV-Sender („CNN“), Magazine („Time“, „Fortune“) oder Filmstudios („Warner Brothers“).

HÖHEPUNKT DER INTERNET-EUPHORIE

Begonnen hatte die Verbindung der beiden Unternehmen auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie zur Jahrhundertwende. Damals hatte allerdings noch der Schwanz mit dem Hund gewedelt: Die viel kleinere Internet-Firma AOL hatte – getragen von dem Höhenflug der Aktien – den „Old-Economy-Veteran“ Time Warner übernommen und stieg zum damals weltgrößten Online- und Medienkonzern auf. Die Fusion machte AOL die enormen Medieninhalte des Time-Warner-Konzerns zugänglich und eröffnete Time Warner die weltweiten AOL-Onlinedienste. Verbrauchergruppen und Konkurrenten waren damals auch deshalb gegen den Zusammenschluss ­ letztlich erfolglos – Sturm gelaufen.

Wirtschaftlich gesehen stand die Elefantenhochzeit von Beginn an unter einem schlechten Stern: Die Aktienkurse beider Gesellschaften fielen nach derFusionsankündigung deutlich, so dass sich der Wert der Transaktion bis zu ihrem Abschluss bereits deutlich reduziert hatte. Mit dem Platzen der Internet-Blase führte der Deal zu gigantischen Verlusten. Bereits nach dem ersten Ehejahr verbuchte das ursprüngliche Traumpaar ein Minus von knapp 99 Milliarden Dollar. AOL wurde entsprechend seiner neuen, realistischen Bedeutung aus demUnternehmensnamen getilgt und mutierte zu einer von vielen Sparten des Medienkonzerns.

[Update 18:47] Fehlstart: AOL ist sehr schwach an der Börse gestartet: Der erste Kurs lag bei 23,27 Dollar – und damit 1,7 Prozent unter dem Ausgabekurs von 23,67 Dollar. Kurz darauf drehte die Aktie zwar ins Plus, fielaber gleich wieder zurück.

Zuletzt wurde der Titel mit einem Minus von 1,8Prozent bei 23,25 Dollar gehandelt, während der Technologie-Index NASDAQ zum selben Zeitpunkt knapp 0,7 Prozent im Plus lag.

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