VDZ: Verlage fordern Unterstützung von Politik

16. November 2009 | by Alex Reiger

Hubert Burda by nrkbeta.

Jammern auf sehr hohem Niveau: Die Print-Medien-Branche fürchtet die Konkurrrenz aus dem Internet und schärfere Werberestriktionen – und ruft die Politik um Hilfe. So der Tenor heute beim ersten Tag der VDZ-Zeitschriftentage in Berlin.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) fordert von der Politik eine größere Unterstützung für die Verlage. Insbesondere dürfe sie «die Werbefreiheit nicht weiter einschränken», sagte VDZ-Präsident Hubert Burda (Bild oben) zu Beginn der VDZ-Zeitschriftentage am Montag in Berlin. Er spielte damit auf eine anstehende EU-Entscheidung an, ob zum Beispiel Hersteller von Elektrogeräten dazu verpflichtet werden, das sogenannte Energielabel auch in Werbeanzeigen komplett zu drucken.


Nach Ansicht der Verleger könnte sich das negativ auf deren Bereitschaft auswirken, in Anzeigen zu investieren. Darüber hinaus sprach sich der VDZ für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Printprodukte aus.

Die Verlage kämpfen seit geraumer Zeit mit rückläufigen Einnahmen im Anzeigengeschäft. Um mit diesen geringeren Umsätzen weiter arbeiten zu können, sollen sie ihre Umstrukturierungen im Verlag und in den Redaktionen «weiter vorantreiben, Portfoliobereinigungen unwirtschaftlicher Titel und weitere Kostenoptimierungen durchführen». So lautet zumindest die Empfehlung aus einer Studie von VDZ und Booz&Company, die ebenfalls am Montag vorgestellt wurde.

Zudem sollen die Verlage neue Geschäftsfelder erschließen und sich dabei vor allem auf die Bereiche Online-Werbung, E-Commerce und digitale Dienstleistungen konzentrieren. Beim Paid Content sehen die Autoren der Studie hingegen wenig Potenzial.

Dennoch machte Burda der Branche Mut: „Bei mir ist die Gewissheit da, dass die Zeitschriften und das gedruckte Buch überleben werden“, erklärte der VDZ-Präsident in seiner Eröffnungsrede der VDZ-Zeitschriftentage heute in Berlin. „Letztes Jahr war ich pessimistischer“, so Burda.

Auch ein ehemaliger FDP-Politiker und heutiger Verlagschef will staatliche Hilfe – allerdings eher durch aktiven Rückbau des Staatsanteils an seinem Geschäft. „Ich würde den Wegfall der Mehrwertsteuer auf Printprodukte sehr begrüßen – das wäre die größte Aktion zur Leseförderung überhaupt“, sagte Gruner + Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz auf den VDZ-Zeitschriftentagen in Berlin.

Die Zeitschriftentage dauern noch bis Dienstag. An diesem Tag soll auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Rede halten.

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[jas/mit/ddp] [Photo NRkbeta via Flickr / CC BY-SA 2.0


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