Opa 2.0: 80-jähriger Rentner aus Castrop-Rauxel ist Deutschlands ältester Blogger

1. November 2009 | by TechFieber.de

80-Jähriger bloggt über sein Leben im Ruhrgebiet – Rentner aus Castrop-Rauxel gilt als ältester Blogger Deutschlands

Hans Frackowiak schreibt Geschichte. Regelmäßig sitzt der 80-Jährige in seinem Arbeitszimmer in Castrop-Rauxel und arbeitet dort an seinen Erinnerungen. Er hält sie zunächst in einem kleinen, blauen Buch fest und überträgt seine handschriftlichen Zeilen dann ins weltweite Netz. Hans Frackowiak gilt als ältester Blogger Deutschlands. Auf seinem Blog «castroper-geschichten.de« schreibt der Rentner über sein Leben und seine langjährigen Beobachtungen im Ruhrgebiet.

«Früher hatte ich Angst vor dem Internet», sagt der 80-Jährige. «Ich dachte, man kann möglicherweise zu viel Zeit damit verbringen, so dass es wie eine Droge wirkt», erklärt der Rentner seine anfänglichen Vorbehalte. Die aber revidierte er mit der Zeit, zumal er sich stets an eine eiserner Regel hält: täglich nur eine Stunde am Computer. «Das halte ich auch strikt ein», erzählt Frackowiak, der vor zwei Jahren mit dem Bloggen begann.

«Ich konnte aus gesundheitlichen Gründen meinen Hobbys einfach nicht mehr nachgehen», erinnert sich der ehemalige Bergmann. «Papa, du hast uns doch immer so schön von früher erzählt», habe der Sohn in jener Zeit zu ihm gesagt – und seinem Vater einen Blog eingerichtet, damit der dort seine Geschichten niederschreiben konnte. Mittlerweile hat Hans Frackowiak zwischen rund 100 Beiträge verfasst, regelmäßig kommen neue hinzu. Es sind Erzählungen aus seinem Leben, es sind Erinnerungen an Menschen und Begebenheiten, in denen sich immer auch ein Stück Ruhrgebietsgeschichte widerspiegelt.

So schreibt der 80-jährige Blogger über seine Schulzeit, über die dunkle Epoche des Nationalsozialismus, die Nachkriegsjahre, seinen Arbeitsalltag auf dem Pütt und den Niedergang des Bergbaus. Und: Frackowiak schreibt natürlich auch über seine Heimatstadt, die kleine Nachbarkommune Dortmunds und Bochums. Nicht zuletzt deshalb heißt sein Blog «castroper-geschichten.de». Dort finden sich heitere Anekdoten und nachdenklich stimmende Schilderungen, die von 1932 bis in die Gegenwart reichen. «Ich schreibe nicht chronologisch, sondern so, wie mir die Dinge gerade einfallen», sagt er.

Meist, sagt Frackowiak schmunzelnd, komme die Erinnerung im Schlaf. «Ich liege dann hier in meiner Werkstatt», weist er auf die Couch in seinem Arbeitszimmer. «Und wenn mir dann etwas einfällt, setze ich mich sofort an den Tisch.» Er schlage dann zunächst sein blaues Handbuch auf und schreibe die Idee handschriftlich nieder. «Wenn ich die Geschichten sofort in den Computer kloppe und mir später noch etwas einfällt, muss ich da immer wieder ergänzen», erklärt er. Handschriftlich sei dies weniger umständlich.

«Wenn ich schreibe, ist das wie Film gucken», beschreibt er den Prozess. «Ich lasse die Geschichten dann noch einmal ablaufen.» Ähnliches dürfte er bei den Lesern hervorrufen. Die Kommentare auf seinem Internetblog jedenfalls sind durchweg positiv. «Das freut mich natürlich sehr», betont der 80-Jährige, der sogar Resonanz aus den USA und Australien bekam – von ausgewanderten Castrop-Rauxelern.

Eines der schönsten Komplimente aber erhielt er wohl von Robert Basic, einer Größe in der deutschen Blogger-Szene, der Frackowiak zu seinem «virtuellen Ersatz -Opi» ernannte. Der «Blog-Opa» aber wirkt gar nicht großväterlich oder gar alt. Nicht weiter verwunderlich, denn: «Der Blog hält mich jung.»

Er könne Menschen in seinem Alter den Umgang mit dem Internet nur empfehlen. Allerdings sähen viele ältere Menschen beim Internet nur das Negative. Es bedürfe Aufklärung und Hilfen für Senioren, um die Internetnutzung zu erlernen.

«Leider haben immer noch zu viele ältere Menschen Berührungsängste mit neuen Technologien», weiß auch der Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, August-Wilhelm Scheer. Dabei könne das Internet gerade Senioren viel bieten. Frackowiak kann da nur zustimmen. Das Netz ist für ihn Informationsquelle, der Blog sein Gedächtnis. Irgendwann, das steht für ihn fest, wird dieses auch ein Buch füllen. «Bis dahin schreibe ich erst mal noch einige Geschichten», sagt der Rentner.

Von Sabine Latterner/ddp/hnw/tla

Mehr bei TechFieber zum Thema: online

Antwort schreiben