„FAZ“-Herausgeber D’Inka: Zeitung wird nicht sterben, „Blogs können Lücke nicht füllen“ – Nonsens sagen wir!

1. November 2009 | by TechFieber.de

FAZ_net blogs techfever.

„Totgesagte leben länger“ lautet ein altes, zugegebenermaßen irgendwie ziemlich albern-abgedroschen klingendes, aber dennoch oft zutreffendes Sprichwort.

Auch der „FAZ“-Herausgeber Werner D’Inka glaubt wohl fest daran und beschwört die Zukunft der angesichts der rasant fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft totgesagten gedruckten Zeitung.

Denn es sei für Leser von Vorteil, «in dem ganzen Gewimmel von Informationen einmal am Tag etwas Abgeschlossenes in der Hand zu haben», sagte der 55-jährige D’Inka am Sonntag zum 60. Jubiläum der ersten Ausgabe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» dem Hessischen Rundfunk.

Im Wettbewerb mit Online-Medien könne die Zeitung sich aber nur behaupten, wenn sie «ohne Wenn und Aber» auf Qualität setze. Blogger könnten den klassischen Journalismus nicht ersetzen.

Nonsens: Warum sollen Blogs nicht auf Qualität setzen?

Wir meinen: D’Inkas Position ist fragwürdig. Warum sollten Online-Medien bitte den „klassischen Journalismus“ nicht ersetzen können? Warum sollen Blogs nicht auf Qualität setzen können?

Ob Blog,  Online-Magazin, Zeitung oder welches Medium auch immer, es kommt doch bereits heute darauf an, relevante und interessante Informationen bereitzustellen, die die Leserschaft interessieren und bestenfalls auch noch einbeziehen. Noch mal: Über welches Medium (Print, Online, Blog, Mobile oder auch Social Network) das passiert, ist doch völlig zweitrangig.

Auch wenn man das bei der FAZ nicht gerne hören will, Print ist ein Auslaufmodell – langsam, statisch und ohne jeden Rückkkanal oder Interaktion mit dem Leser.

Print-Medien und schon gar nicht eine Zeitung vom Kaliber der FAZ werden sterben. Aber in der gedruckten Form schon in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu einem Nischenprodukt avancieren. Daran wird leider auch D’Inkas Print-Beschwörung nichts ändern können. Der Blick in die USA und die Reichweitenentwicklung von Print-Medien in den Staaten lässt auch hierzulande Böses ahnen für das Print-Gewerbe.

Und: Die FAZ sollte die eigene Blog-Strategie dringend mal überdenken: So ist es zum Beispiel  in vielen FAZ-Blogs nicht möglich, Kommentare oder Trackbacks zu hinterlassen – oder Kommentare werden über Wochen nicht freigeschaltet. Als Beispiele will ich mal die FAZ-Blogs „Haymat“, „ÜberKreuz“, „Place de la République“, „Adhoc“, „Das Pop-Tagebuch“, „Washington Watch“ oder „Moskauer Monitor“ nennen.

Zudem verwirrend: Bei einigen Blogs, so zum Beispiel bei „Netzökonom“ oder „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ darf man als Kommentator einfach drauflosschreiben; bei verschiedenen anderen muss man sich dagegen vorab bei der FAZ registrieren und einloggen, um einen Kommentar schreiben zu können.

Wenn man „Blogs“ derart halbherzig angeht, wird das nichts. Ergo hat FAZ-Herausgeber D’Inka also doch recht: Blogs können „die Lücke nicht füllen“. Zumindest so nicht.

Wie sagte mal ein schlauer Kollege vor ein paar Wochen: Die Tage des „Helikopter-Journalismus“, sprich einfach mal schnell eine Geschichte absetzen und dann wieder verschwinden, sind vorbei. Dialoge und Rückkanäle sind gefordert im Digi-Zeitalter.

Politik schwarz, Feuilleton links, Wirtschaft liberal

Zur inhaltlichen Positionierung der FAZ erklärte D’Inka, dass beim Frankfurter Blatt nach wie vor das Mantra gelte, das der ehemalige Chef des Ressorts Innenpolitik, Friedrich Karl Fromme, einst formuliert habe: in der Politik schwarz, im Feuilleton eher links und in der Wirtschaft liberal. Deshalb kritisierten die Kommentatoren der Zeitung auch die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung. «Wir finden eben, dass diese Schuldenmacherei von Übel ist. Da gibt es weder Freund noch Feind», sagte D’Inka. Die Zeitung habe einen «eigenen Kompass».

Zur wirtschaftlichen Lage des Blattes sagte D’Inka: «Natürlich müssen auch wir sparen.» Auch die FAZ leide unter dem Rückgang von Anzeigen, die vielfach ins Internet abgewandert seien. Deshalb versuche die Zeitung, Vertriebs-, Druck- und Herstellungskosten zu senken. Bei der Redaktion wolle die FAZ aber nicht sparen, «weil das dem Markenkern der Zeitung schaden würde». (jas/tf/ddp)

Mehr bei TechFieber zum Thema: journalismus, online

Kommentare (2)

  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Michael J. Rebelein, Roland Riethmüller erwähnt. Roland Riethmüller sagte: RT @vumax “FAZ”-Herausg. D’Inka: Gedruckte Zeitung wird n. sterben, “Blogs können Lücke nicht füllen” – Nonsens! http://j.mp/1c4ptC […]

  2. Benny0281 says:

    ich denke, dieses statment des faz-herausgebers spricht doch für sich. die print-leute haben muffesuassen vor dem netz und wissen nicht wie sie ihre pfruende retten können/sollen

Antwort schreiben