[Studie] Wahlkrampf im Internet: Politiker-Blogs sind öde

16. September 2009 | by Alex Reiger

Angela Merkel - World Economic Forum Annual Meeting Davos 2007 by World Economic Forum.

Gähn 2.0: Keine Frage, Blogs zählen längst zu den beliebtesten Web2.0-Angeboten im Internet. Die Möglichkeit, via Internet-Tagebuch Einblicke in das Leben anderer Internet-Nutzer zu gewinnen, finden Millionen von Web-Nutzern spannend.

Jedoch gilt das Interesse kaum der Politik – obwohl viele Parteien im aktuellen Wahlkampf auch im Web 2.0 und Social Networks aktiv sind: Nach den Resultaten der neuesten W3B-Internet-Nutzer-Studie deutet wenig darauf hin, dass Politik-Weblogs in diesem Wahlkampf große Besucherzahlen anlocken können.

Kaum überraschend sind der Untersuchung zufolge personalisierte Tagebuch-, Reise und Foto-Weblogs die attraktivsten Blogs überhaupt – das Schlusslicht des Ranking bilden die Wahlblogs.


*** techPR Pressemitteilung – Mit über 80% Bekanntheitsgrad in der Internet-Gesamtnutzerschaft gehören Weblogs mittlerweile zum Inventar des Web 2.0, so das Ergebnis der W3B-Studie. Jeder zweite deutschsprachige Online-Nutzer gibt an, Weblogs zumindest gelegentlich zu besuchen. Ungefähr jeder Vierte liest einmal im Monat Weblog-Einträge. Zum Kreis der aktiven, wöchentlichen Weblog-Besucher zählen immerhin 15%.

Deutlich geringer fällt erwartungsgemäß der Anteil der Nutzer aus, die nicht allein Weblog-Texte lesen, sondern auch selbst welche verfassen: Jeder fünfte Internet-Nutzer schreibt nach eigenen Angaben gelegentlich Weblog-Einträge. 8% tun dies mindestens einmal pro Monat. Lediglich 4% sind so aktiv dabei, dass sie jede Woche einmal etwas in ein Weblog schreiben.

Tagebuch-, Reise und Foto-Weblogs deutlich attraktiver als Wahlblogs
Aus Sicht der Weblog-Besucher sind solche Blogs am interessantesten, die Einblicke in das Leben anderer Internet-Nutzer bieten: So wird die Liste der beliebtesten Weblog-Typen ganz klar von Tagebüchern und Erlebnisberichten mit über 40% der Nennungen angeführt. Mit deutlichem Abstand folgen Fotoblogs und Reiseblogs mit je ca. 30%. Weblogs die vorwiegend aus Videobeiträgen bestehen, sog. Vlogs, werden immerhin noch von jedem vierten Weblog-User besucht.

Das Schlusslicht des Ranking bilden die Wahlblogs. Hierzu zählen Blogs, die sich mit einer speziellen politischen Wahl (z.B. der Bundestagswahl) befassen. Im Gegensatz zu privaten Weblogs werden sie häufig nicht von einem einzelnen Politiker betrieben, sondern von einem Autorenteam. Das Interesse der deutschen Internet-Nutzer, Weblogs dieser Art zu besuchen, scheint sehr verhalten: Weniger als 5% der Weblog-Besucher geben an, Wahlblogs zu nutzen. Während unter den männlichen Bloggern immerhin noch 6% zu den Wahlblog-Besuchern zählen, sind es unter den Frauen nur 3%.

Weblogs werden als politische Informationsquelle kaum wahrgenommen
Dass Politik-Weblogs auf wenig Begeisterung stoßen, zeigt auch ein weiteres Ergebnis der W3B-Studie: Befragt nach den wichtigsten politischen Informationsquellen im Internet, landen Weblogs erneut auf den unteren Rängen. Während sich jeder zweite Politik-interessierte Internet-Nutzer in Online-Magazinen und -Zeitungen über politische Themen informiert, nennen lediglich 5% Weblogs als politische Informationsquelle.

Es bleibt abzuwarten, ob die zahlreichen Online-Specials zum Wahlkampf 2009 mehr Internet-Nutzer mobilisieren können, auch Wahl-Weblogs zu besuchen. Höchst erfolgreich war kürzlich das TV-Duell der Kanzlerkandidaten, welches als Stream via Internet abrufbar war – möglicherweise sind große Online-Events dieser Art ja in der Lage, nennenswerte Besucherströme zu den Wahl-Weblogs weiterzuleiten.

[Photo: World Economic Forum] swiss-image.ch/Severin Nowacki]

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Comment (1)

  1. Rolette says:

    In der Tat war der Wahlkrampf im Netz äusserst öde und diese lässt sich durchaus verallgemeinern!

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