[WebTV] Schluss mit Musikfernsehen: Zattoo kündigt MTV

5. Juni 2009 | by TechFieber.de

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Der Schweizer Internet-TV-Sender Zattoo hat von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht und seine Verträge mit MTV Networks (MTV, Viva und Comedy Central) gekündigt – schuld daran sei die unklare Rechtelage.

Seit einigen Tagen sind über Zatoo die Sender der MTV Networks Germany nicht mehr zu empfangen. Damit haben die Auseinandersetzungen mit Warner Bros. und Universal weitere Auswirkungen auf das Programm des WebTV-Kanals.

Hintergrund: Vorletzte Woche hatten die Hollywood-Riesen Warner Bros. und Universal der IPTV-Firma aus Zürich die Ausstrahlung von Spielfilmen in Deutschland per einstweiliger Verfügung  untersagt.

Zattoo hatte dazu gestern mitgeteilt, dass sich dieses Verbot auf lediglich fünf Filme der Studios bezieht.

Der werbefinanzierte Internet-Fernsehdienst Zattoo überträgt seit 2007 viele deutsche Programme (darunter auch die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF) per Live-Stream- und zwar völlig legal und ohne Zusatzgebühren. Mehr als 50 Fernsehkanäle stehen derzeit zum Abruf bereit.

Technisch gesehen empfängt Zattoo konventionelle TV-Programme über Satellit und leitet diese live und unverändert via Internet-Protokoll weiter. In Deutschland zählt der IPTV-Service Eigenangaben zufolge derzeit rund 1,6 Millionen registrierte Nutzer, die über jeden Web-Browser diese Programme auf ihre Computer anschauen können.

Zattoo-Pressemitteilung zur Kontroverse mit Warner Bros./Universal:

Zattoo: Stellungnahme zum Rechtstreit mit Warner und Universal

04.06.2009 Zürich  – Die Hollywood-Studios Warner Bros. und Universal haben gegen die Zattoo Europa AG beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung (EV) erwirkt, die Zattoo die Ausstrahlung von fünf Spielfilmen in Deutschland untersagt. In der Berichterstattung über die EV wurden einige Punkte missverständlich dargestellt, die Zattoo richtig stellen möchte:

– Zattoo schaltet keine Unterbrecherwerbung. Werbung ist von
Zattoo nur außerhalb der weiterverbreiteten Programme zu sehen,
insbesondere bei Kanalwechsel durch den Zuschauer.

– Die Werbefinanzierung von Zattoo spielte bei der EV keine Rolle.

– Von der EV betroffen sind nur fünf Filme, aber keine weiteren
Programmbestandteile. Zum Vergleich: Insgesamt sind in
Deutschland bei Zattoo monatlich über 30.000 Programmstunden
verfügbar.

Zum Hintergrund der EV: Warner und Universal bezweifeln, dass die Regelungen zur Kabelweitersendung nach dem Urheberrecht auch für neue Technologien wie das von Zattoo betriebene IPTV einschlägig sind. Daher müssten Urheberrechte nicht (wie von Zattoo praktiziert) mit den jeweiligen nationalen Verwertungsgesellschaften geklärt werden, sondern direkt mit den Studios.

Dazu möchte sich Zattoo wie folgt äußern:

– Zattoo vertritt mit der Mehrheit der TV-Sender,
Verwertungsgesellschaften und deutschen sowie europäischen
Rechtsexperten die Position, dass der Begriff Kabelweitersendung
technologieneutral ausgelegt werden muss, also auch den Dienst
Zattoo erfasst.

– Zattoo hat gemäß dem Urheberrecht mit allen Fernsehanbietern vor
Ausstrahlung der Programme Verträge geschlossen und sich mit den
Verwertungsgesellschaften wie z.B. der GEMA abgestimmt. Für die
Weitersenderechte hat Zattoo stets Entgelte gezahlt.

Gegenwärtig führt Zattoo Gespräche mit den Verwertungsgesellschaften zur baldigen Klärung der Situation; dies ist auch im Sinne der Fernsehanbieter, welche Zattoo die Kabelweitersendung gestattet haben. Falls erforderlich, wird Zattoo Rechtsmittel gegen das Urteil des LG Hamburg einlegen.

In keinem anderen der sechs europäischen Staaten, in denen Zattoo operiert, wird angezweifelt, dass auch über eine neue Technologie „cable retransmission“ möglich ist. Voraussetzung ist wie in Deutschland, dass die Weiterleitung zeitgleich, unverändert und vollständig erfolgt, was bei Zattoo unstrittig der Fall ist. Entsprechend hat sich Zattoo seit 2006 in Europa etabliert und seine Marktstellung in enger Abstimmung mit seinen Partnern auf über 4 Mio. registrierte Nutzer ausgebaut.

Dr. Nick Brambring, als Regional Manager u. a. für den deutschen Markt verantwortlich, erläutert dazu: „Die Rechteklärung muss zentral erfolgen. Zattoo kann nicht für jedes ausgestrahlte TV-Programm mit dem jeweiligen Produzenten, Autor oder Musiker sprechen. Gerade in ihrem Interesse ist das System der Verwertungsgesellschaften. Nur so haben kleinere Rechteinhaber die Chance, am Geschäftserfolg von modernen Kabelweitersendeunternehmen wie Zattoo beteiligt zu werden.“

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