Valve Software löst das Piraterieproblem

21. Februar 2009 | by Fritz Effenberger

Gabe Newell ist ein vernünftiger Mann. Und er ist Chef des Spiele-Entwicklerstudios Valve Software, dessen Produkte (wie Half-Life etc.) so erfolgreich sind, dass sich das junge Unternehmen von den grossen Distributoren abnabeln und die unabhängige Internet-Vertriebsplattform Steam aufbauen konnte.

Auf seiner Eröffnungsrede zur aktuellen DICE (design innovate communicate entertain) Konferenz in Las Vegas beschrieb er ein Verkaufsexperiment seiner Firma, und die daraus resultierende Lösung des sogenannten Piraterieproblems.

Valve hatte den Verkaufspreis seines neuen, sehr erfolgreichen Coop-Shooters “Left 4 Dead” im Downloadshop über’s Wochenende halbiert.

Richtig gelesen: Auf 50 % gesenkt. Die Verkäufe stiegen dadurch um 3000 %, oder auf das 30fache. Der Umsatz (in US-Dollars) war höher als beim Verkaufsstart. Aus diesen und anderen Verkaufsexperimenten gewann Valve folgende Daten:

10% Preissenkung = 35% Umsatzsteigerung (in USD)
25% Preissenkung = 245% Umsatzsteigerung
50% Preissenkung = 320% Umsatzsteigerung
75% Preissenkung = 1470% Umsatzsteigerung

Gabe Newell hatte schon früher betont, für ihn seien “Piraten” nichts anderes als vernachlässigte Kunden. Vor allem wegen der Einschränkung der Produktqualität durch DRM. Er rechnet vor, dass bei einer Preissenkung um 75%, also auf ein Viertel des Originalpreises, am Ende 15 % mehr Profit in der Kasse lägen. Eine solche Preissenkung ist problemlos machbar, da bei digitalen Gütern ja keine Stückkosten anfallen, was zählt, ist der Gesamtgewinn.

Und Hand auf’s Herz: Wenn Songs im DRM-freien Download noch 25 Cent, das Album 2 Euro 50, der brandneue Kino-Film 3 oder 4 Euro, ein angesagtes Game 12,50 kosten würden – gäbe es dann noch viel P2P-Traffic in den Interwebitubes unseres Planeten?

Newell sagt: Digitale Waren sind keine Produkte, sondern Dienstleistungen. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Ich denke, wir sollten auf diese Stimme der Vernunft hören, und nicht weiter Teenager, Rentner, Unschuldige mit anwaltlichen Drohungen der Unterhaltungsindustrie belästigen. Die Vorstellung von einer “digitalen Piraterie” ist ein einziges grosses Missverständnis. Das kann man verstehen, wenn man der Denkhilfe des Valve-Chefs folgt und nicht länger Downloads mit Kartoffeln vergleicht.

Was wir tun müssen, und was wir von unseren Politikern verlangen müssen, ist ein Akzeptieren der digitalen Realität. Wir leben bereits in einer digitalen Wirtschaftsepoche, und diese Realität wird nicht weggehen, wenn wir die Augen verschliessen. Und die einzige Alternative zur Digitalwirtschaft ist das, was Unverständige derzeit “Piraterie” nennen, also vernachlässigte Kunden, die sich halblegal besorgen müssen, was ihnen legal verweigert wird: Uneingeschränkte Leistung zu einem angemessenen Preis.

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